Der etwa 260-Seiten starke Sex- und Partnerschafts-Ratgeber für Männer von Giulia Siegel gliedert sich in die sechs Hauptkapitel:
- Wow ist die heiß!
- Wie du das erste Date auf die Beine stellst
- Sex her up!
- Jetzt sind wir wohl zusammen
- Die Fetzen fliegen
- Aus, Schluss, vorbei - und Juhu! Wie du sie in die Wüste schickst und zu neuen Ufern strebst.
Aufgelockert wird der reine Text noch von ein paar Comics und Gedichten. Ansonsten ist er im Inneren ziemlich in Barbiefarben gehalten: das richtige Produkt für Ken also. Im Grunde viel zu schick für echte Männer.
Giulia Siegel kennt die Männer (10): "Promis und Normalos, Prolls und Dichter. Romantiker und Pragmatiker. Kluge und Dumme. Gebildete und Ungebildete. Große Schw..ze und kleine Schw..ze. In der Summe stellen meine Männer wohl einen ganz repräsentativen Querschnitt dessen dar, was der liebe Gott so an männlichen Wesen auf der Erde ausgewildert hat."
Beste Voraussetzungen also, um einen Ratgeber für Frauen zu schreiben. Aber für Männer? Immerhin gibt es partnerschaftliche, egoistische, dominante, devote, kindorientierte und was auch immer für Frauen, und die sollen alle das Gleiche wollen? Unwillkürlich fragte ich mich, ob ich selbst einem von einem Mann verfassten Sex-Ratgeber für Frauen mit dem Untertitel: "Was Männer wirklich wollen" trauen würde. Vermutlich nicht.
In den ersten Abschnitten geht es - wie könnte es anders sein - um Anmache und Flirten. Die Frage ist: Wie kommen Männer dabei in die Traummann-Schublade (denn Barbie hat viele Schubladen)? (11) "Die ist für diejenigen, denen wir unsere ganze Welt zu Füßen legen, die alles von uns kriegen, ja alles: Liebe, Vertrauen, Treue, all unsere Kraft - und natürlich den F.ck des Jahrhundert. Genau in diese Schublade wollt ihr doch, oder? Aber dafür müsst ihr einer Frau das geben, was sie wirklich will. In diesem Buch werde ich euch zeigen, worauf es dabei ankommt."
In der Folge liest man sich durch eine ganze Reihe Standardempfehlungen, die ich so oder so ähnlich auch schon in der Regenbogenpresse las:
- die 16 schlimmsten Anmachsprüche
- die 10 wichtigsten Benimmregeln
- die besten Lokationen um Frauen kennenzulernen
- die besten Flirtportale (Product Placement)
- die besten Flirtaccessoires: Hund, Kind, Glamour/Cosmopolitan/Jolie (Product Placement)
Optimal für den triebigen Mann schien mir die folgende Kombination zu sein: Mit Hund, Kleinkind und Cosmopolitan unter dem Arm durch Museen oder Büchereien zu schlendern. Doch halt, dort ist Gefahr angesagt (36). "Denn hier tummeln sich sensible, einfühlsame und meist auch gebildete Frauen. Um bei diesen Exemplaren Eindruck zu schinden, musst du zwar nicht unbedingt Shakespeares Romeo und Julia fehlerfrei rezitieren können, aber dir muss schon klar sein, dass Antoine de Saint-Exupéry kein französischer Dribbelkönig ist ..." Wer bitte? Ich musste sofort an
Salz auf unserer Haut denken.
Apropos Haut. Giulia Siegel steht auf wenig behaarte Männer: "Also Jungs, greift zu Rasierer, zu Wachs, zu Epiliergerät ..." Es soll ja Frauen geben, die es lieber anders mögen. Und wie war das noch mit der
Feuchtgebiete-Botschaft?
Recht anregend und wohl auch durchaus hilfreich fand ich die Abschnitte zur Klitorisstimulation. Ein wenig nervig auch dabei wieder dieser überdrehte Hype der Werbe- und Medienleute, der aus allen Zeilen drängte. Wie will Mann Frau crazy machen, wenn die schon im normalen Leben so ist?
"Make her Crazy" ist ein typisches Medienprodukt: Fernsehleute schreiben Bücher, die von anderen Fernsehleuten im Fernsehen empfohlen werden.
Zum Schluss noch eine grundsätzliche Anmerkung: Zunehmend stört mich, dass die ganze Geschlechterdebatte fast ausnahmslos von Frauen geführt wird. Dies gilt mittlerweile selbst für Bücher über das männliche Geschlecht. All das scheint längst Wirkung zu zeigen. Ich empfinde viele Männer mittlerweile als verunsichert. Bevor die nun ein weiteres Mal genau das tun, was Frauen wollen, sollten sie meiner Meinung nach erst einmal herausfinden, was sie selbst wollen.