Aus der Amazon.de-Redaktion
Was sich auf
Higher Plane, dem letzten Rad.-Album (von dem einige Tracks auch auf der
Gotta Be Radified-Compilation zu finden sind), bereits abzeichnete, nimmt hier endgültig Gestalt an: die Seele, der Soul von Rose Ann Dimalanta kocht nicht mehr, sie bzw. er köchelt. Mag sich das auch nicht so viel versprechend ausnehmen, ist es dennoch mehr als in Ordnung. Nicht nur deshalb, weil es keine Veranlassung gibt, Tanzbodenfeger wie etwa "Wishy" vom Debüt
Radified ob ihrer kaum erwähnenswerten Abnutzungserscheinungen zu wiederholen. Nein, die etwas gemäßigtere, deutlich jazzlastigere Dynamik und die gelegentlich leicht an Me'shell Ndegeocello erinnernde Art Funkyness steht ihr einfach gut.
Dass sie darüber hinaus als Musikerin gilt, die ihre gesanglichen, kompositorischen und tastenvirtuosen Talente nicht an flüchtige Zeitgeister verschwendet, beweisen Musiker vom Schlage David Garibaldi, Ray Obiedo oder Michael Spiro. Denn wer wie sie auf Namen wie Ella Fitzgerald, David Byrne oder Herbie Hancock in ihren Biografien verweisen kann, muss keine Hand rühren, wo er nicht will. Was auch immer den Stücken von Rose Ann am besten steht, - Cha-Cha, Salsa, Fusion, reiner R'n'B, fette Bläsersätze, Slap-Bässe -- bringt sie mit dieser hochklassigen Unterstützung homogen zusammen und zu Stande. Die Unverwechselbarkeit einer Aretha Franklin, Chaka Khan oder Erykah Badu kann man Rad. zwar (noch?) nicht nachsagen. Mit Sicherheit gut genug, sich von 95 Prozent des Black-Music-Overkills nicht das Wasser reichen lassen zu müssen, ist sie allemal. --Rolf Jäger
INTRO
“Rad” war vor ein paar Jahren manisch gebrauchter Valley Girl Speech für wow, supercool!, oder wie auch immer die Jugendlichen das hier äquivalent ausdrücken würden. Die Keyboarderin und Sängerin Rose Ann Dimalanta (schaut euch mal die Initialen an - huha) aus Oakland, Kalifornien ist mit ihrer Musik von Clueless-artiger Valley-Girligkeit mal eben so weit entfernt wie, ähh, ich von einem gehobenen Einkommen. Auf ihrem mittlerweile vierten Album “Make Every Second Count” ruft jedes Detail ganz laut “Qualität!” und “ausgereift!”, manchmal ruft auch eins “erwachsen!” dazwischen. Bei Mitstreitern wie David Garibaldi, Ray Obiedo (Herbie Hancock), Marc van Wageningen (Sheila E.) und Michael Spiro (Ella Fitzgerald) darf uns das aber nicht wundern, nicht? Die elf durchweg smooth-eleganten Stücke, die sich hauptsächlich auf Funk- und (Latin-) Soulterrain bewegen, werden rhythmisch zumeist stark durch Bass und Percussion interpunktiert und durch Rose Anns hier gehauchten und da klassisch souligen und bluesig rausgepressten Gesang eingerahmt, und die Keyboards tröpfeln natürlich überall ganz geschmeidig wie Massageöl dazwischen. Teilweise erinnert mich das an die Anita-Baker-Kassette, mit der mich meine englische Austauschpartnerin in den tiefen Achtzigern immer vor dem Einschlafen gequält hat und die ich erst später lieben lernte - was natürlich kein universell gültiger Vergleich ist, weiß ich ja.
Sonja Eismann / Intro - Musik & so
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