...kommt ein neues Weezer-Album her. Wohl keiner sonst (naja, vielleicht von Eels-Chef Mark Everett abgesehen) schafft es, wie Weezer-Frontmann Rivers Cuomo persönliche Probleme derart fruchtbringend und künstlerisch erfolgreich zu verwerten. Drei Jahre hat man auf "Make Believe" warten müssen, in denen sich Herr Cuomo von Selbstzweifeln geplagt lieber an der Uni einschrieb als seine Band weiterzubringen. Nun ist aber wieder Weezer-Time angesagt - mit Macht. Cuomo ist mittlerweile knappe 35, schreibt aber immer noch Songs wie mit 25.
Die spielerische Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus Tagen gewisser "Blauer Alben" ist mittlerweile natürlich vorbei, so viel wird beim Anhören von "Make Believe" klar. Auch die flockigen Sommersongs des "Grünen Albums" sind Geschichte. "Make Believe" zeigt Cuomo mal wieder von seiner introvertierten Seite: In den Lyrics sind nicht selten Minderwertigkeitskomplexe, Reue über verpasste Chancen und der Wunsch, geliebt zu werden, angesagt - von "How did things get so bad" (This Is Such A Pity) über "Why don't you come home to me" (Hold Me) bis hin zu "Sometimes my best wasn't good enough for you" (Pardon Me) und "I want to help you / But I don't know how" (The Other Way) ist alles dabei. Klingt furchtbar depressiv? Aber nicht doch. Cuomo weiß halt genau, wie es geht. Ehrliche Lyrics für die Stunden stiller Melancholie, die wir alle verleben, verpackt in charmantesten Indierock, das kann niemand so gut wie der Rivers.
Im großen und ganzen erscheint "Make Believe" wie eine Kreuzung aus "Pinkerton" (stark introspektive Texte) und dem "Green Album" (musikalisch hochklassig und weit homogener als "Maladroit"). Weezer sind Profis und so hört sich das auch an: Makelloser Indierock, teilweise mit genialen Melodien und souveränen Zweistimmenrefrains. Ab und zu zaubert Rivers gar zum Schneuzen schöne Riffs aus seiner Gitarre (etwa in "Hold Me").
Wer bisher nur den soliden Gassenhauer "Beverly Hills" kennt, dem sei gesagt, dass der als einzige wirkliche Fun-Mitklatsch-Nummer ganz untypisch für "Make Believe" ist. Ansonsten wird's mal new-wave-mäßig ("This Is Such A Pity"), mal balladesk ("Hold Me", "Freak Me Out") und mal auch verhalten poppig ("Peace", "Perfect Situation"). Totalausfälle gibt es meiner Meinung nach nur einen, nämlich "We Are All On Drugs", das verflucht an den auf "Maladroit" gerne gepflegten 08/15-Schraddelrock erinnert. Der Rest ist über jeden Zweifel erhaben, hat mit "Hold Me" und "The Other Way" zwei wirklich wunderschöne schmerzlich-süße Indie-Songs vorzuweisen (die einem Vergleich mit "O Girlfriend" und "December" durchaus standhalten) und des weiteren eben das, wofür man Weezer kennt und schätzt: Zündende Melodien, griffige Arrangements und den kleinen Schwenk in Richtung Melodramatik, der sie aus der Masse heraushebt. Thank you, Mr. Cuomo.