Skipperin Renate mit ihrer ostfriesischen Crew ist wieder auf großer Fahrt, diesmal mit einer Charteryacht in der Südsee. Wie einst Barawitzka führt sie das Schiff und ihre Crew mit fester Hand und viel Sachverstand, von dem der Leser nur profitieren kann. Sehr gut an dem Buch finde ich, dass der Autor, immerhin ein Mann, das Ruder einer Frau überlässt und endlich einmal die Seglerwelt nachlesen kann: Frauen haben es auch drauf ' nur anders. Es wird in dem Buch gottlob nicht nur beschrieben, wie möglichst viele Meilen abgesegelt werden und ein Sturm nach dem anderen überstanden wird und sich 'der Segler' mal wieder bestätigen konnte. Sehr realitätsnah beschreibt der Autor mit viel Einfühlungsvermögen auch die andere Seite des Segels: Nämlich wie das ' menschliche - Leben an Bord einer modernen Segelyacht funktioniert. Praxisnah wird erzählt, wie all die theoretischen Vorschriften und Regeln tatsächlich angewandt werden, wie Mann-über-Bord-Manöver auch ohne Lehrbuch erfolgreich durchgeführt werden können und überhaupt, worauf es in den Gewässern der Südsee ankommt. Es ist ja nun mal so, dass zwischen Theorie und Praxis Welten liegen.
Natürlich wird an Bord auch gezankt und geliebt, mit all den Höhen und Tiefen, die sich aus dem beschränkten Platzangebot eines Segelschiffes ergeben, und es ist wohltuend zu lesen, dass dies nicht nur nach Schema F funktioniert. Segler sind auch Menschen und die sind alle verschieden.
Im Gegensatz zu den Barawitzka-Segelromanen von Karl Vettermann (immer noch der Klassiker) werden hier auch moderne Navigationsmittel in die Handlung einbezogen und der Leser lernt deren Stärken und Tücken kennen. Insgesamt ein spannender, humorvoller Roman über das Segeln, der ' nicht nur Frauen ' Mut macht, auch einmal ungewöhnliche Törns zu wagen. Unterhaltsam zu lesen, ohne Lehrbuchcharakter und unverständlichen Übertreibungen hinsichtlich Sprache oder Handlung. Ich fand es super.