Auf "Major Pettigrew" bin ich - wie auf viele andere Bücher - zuerst auf der englischen Amazon-Seite gestoßen. Dort wurde der Roman von dem relativ bekannten Richard & Judy Book Club empfohlen und hat viele Leser begeistert. Mit Richard & Judy-Büchern habe ich schon die unterschiedlichsten Erfahrungen gemacht: von grottenschlecht bis richtig gut war schon alles dabei.
"Major Pettigrew's Last Stand" wird auf dem Einband mit "sweet" and "charming" und diversen Varianten dieser Adjektive beschrieben. Die Geschichte ist auch wirklich reizend: Der verwitwete Ernest Pettigrew, Major im Ruhestand, verguckt sich mit Ende 60 zu seiner eigenen Überraschung in die ebenfalls verwitwete Mrs Ali, Betreiberin des Dorfladens mit pakistanischen Wurzeln. Die Romanze zwischen den beiden ungleichen Senioren sorgt natürlich für Getratsche im Dorf und für Stirnrunzeln unter der Verwandtschaft der beiden. Die Geschichte hat wirklich Charme, und die beiden Hauptfiguren sind ausgesprochen sympathisch. Besonders Pettigrew ist gut beschrieben: man sieht ihn direkt vor sich, diesen älteren, korrekt gekleideten Herrn, konservativ und etwas steif, aber auch menschenfreundlich, weltoffen und grundanständig.
Aber obwohl ich ihn und die zurückhaltende, doch humorvolle Mrs Ali gerne mochte, ist der Funke nie so ganz übergesprungen. Ich habe das Buch zwar nicht ungern gelesen, aber allzu große Begeisterung ist bei mir auch nicht aufgekommen. Viele Szenen haben mich zum Schmunzeln gebracht (die Hausbesichtigung mit der Witwe Augerspier - köstlich!), andere haben mich gelangweilt, und die knapp 400 Seiten kamen mir phasenweise ziemlich lang vor.
Insgesamt eine ganz angenehme Lektüre, der aber das gewisse Etwas fehlt.