Er war wohl der Eitelste unter den Eitlen! Denn das neue Medium "bewegte Bilder" wusste der letzte Hohenzollern-Kaiser Wilhelm der Zweite durchaus für sich und seine Zwecke zu nutzen. So eilte ihm bei jedem seiner Visiten und Reisen bereits der Ruf "Majestät brauchen Sonne" voraus.
Denn Kaiser Wilhelm der Zweite ließ sich nur unter günstigen Umständen filmen, um so seines kaiserlichen Glanzes gewiss sein zu können. Er verstand seine Neigung für das neue Medium Film durchaus auch als eine Pionierleistung, da sich dann auch noch spätere Generationen von seiner Größe überzeugen könnten. Nun, die Geschichte hat einen - vom Kaiser ja durchaus mit verschuldeten - Verlauf genommen. Und doch wirken diese Bilder auch auf den Betrachter im frühen 21. Jahrhundert!
Dieser Film von Peter Schamoni ist eine unterhaltsame Aneinanderreihung von Filmszenen militärischer Paraden, Jagden, Denkmal-Einweihungen, Reisen und privater Aufnahmen, auch aus seinem späteren niederländischen Exil Haus Doorn, das bis heute der Besichtung freigegeben ist. Dabei sprechen diese Bilder eine ganz eigene Sprache, die durch die Kommentare Mario Adorfs und die Zitate, wunderbar rezitiert von Otto Sander, erst recht wirken.
Dieser Film nimmt keine politische Gewichtung vor und bewertet auch die kapitalen Fehler und Fehleinschätzungen des preußischen Kaisers nicht. Und doch kann man sich am Ende dieser - ja, man kann diesen Film schon beinahe als eine Revue bezeichnen - unterhaltsamen Rückschau eine Meinung bilden.
Im Kino wirkten diese oftmals noch recht unbeholfen wirkenden Filmszenen aus den Kinderjahren des Zwanzigsten Jahrhunderts mit einem pfauenartig stolzierenden Kaiser und einer Ringelreihen tanzenden Kaiserin auf mich durchaus manchmal lächerlich. Diese Wirkung verfehlt auch die DVD nicht. Die Anschaffung lohnt sich, da "Majestät brauchen Sonne" von Peter Schamoni ein Film ist, den man sich gerne mehrmals ansieht.