Die Stones waren, um es gleich vorauszuschicken, nie "meines"; musikalisch sozialisiert in den Achtzigern, waren meine Helden andere.
Keith Richards, der allerdings war schon eine Marke: Zigarette im Mundwinkel, einen Rye in der Hand, die Physis immer kurz vorm Exitus, nur durch Blutwäsche am Leben erhalten. Die Coolness (zumindest für Rock N'Roll-Jünger) in persona.
Durch Zufall kurz nach dem Release auf dieses Werk gestoßen, hat sich bereits nach dem ersten Hören dessen ganze Meisterschaft präsentiert: Richards beherrscht natürlich wie kein anderer die Fender Telecaster. Vornüber gebeugt, ein kaputter Lucky Luke an der Gitarre, kann er sie liebkosen, schlagen und würgen wie kein anderer. Die Stimme: entspricht dem äußern Anschein - heiser, abgeklärt, ein alter Tom Waits.
Das eigentliche Atout sind allerdings die Songs: Perlen vor dem Herrn. "999", "Bodytalks", "Demon" und Konsorten sind straighte, kurzatmige, düstere Rockklassiker allererster Güte. Klingt alles stark nach Stones - und doch ganz anders: Gerade mit seinem Organ vermag es der Künstler, den Songs so etwas wie Seele einzuhauchen. Nicht so sprunghaft, zielstrebig wie der Widerpart Mick Jagger, nein: Fragil, sensibel seine Darbietung, selbst im Falle der etwas defätistischeren Titel wie "Wicked as it seems". Ein schöner Kontrapunkt. Sogar ein swingender Reggae ist vertreten, "Words of wonder" bereitet Spass. Mein besonderer Tipp: "Hate it when you leave", wunderbar traurig und offenen Herzens. Richards "strips off".
Ínsgesamt: ein leider völlig unbekanntes und unterschätztes Kleinod qualitativer Rockmusik. Höchstpunkte!