Dieser Film ist ein Genre-Mix par excellence: Action, Love Story, Song and Dance, Klamauk, Versöhnungsbotschaft (zwischenmenschlich in der Familie und nationenübergreifend zwischen den Staaten Indien und Pakistan). Durch die völlig überzogene Darstellungsweise wirkt dieser Film teilweise wie eine Satire auf herkömmliche Bollywood-Filme. Aber das perfekte Timing, die Kameraführung, die Bilder, Farben und Ausstattung, die Choreografie, der teilweise infantile Klamauk (Lehrer mit "feuchter" Aussprache, Schuldirektor ohne Gedächtnis für Namen oder Ereignisse, Hindi-Sprachlehrerin, die die englische Sprache verballhornt), die a la "Matrix" durchstilisierte Action, die Besetzung der Rollen (Haupt- und Nebendarsteller), alles passt zusammen und macht diesen Film zu einem fesselnden Gesamt-Kunstwerk.
Die formal beste Szene ist für mich die Gegenlichtaufnahme von Major Ram (Shah Rukh Khan), als er einen gefangenen Terroristen zu überzeugen versucht, für Indien und nicht für den persönlichen Rachefeldzug seines Anführers zu kämpfen. Die komischsten Szenen sind für mich jene, in denen der als durchtrainierter Mann für schwierigste Spezialeinsätze eingeführte Major Ram wie ein verklemmt-strebsames Bübchen (überdimensionale Hemdkragen, enger Pullunder, ausgestellte Hosenbeine (Stil 70er Jahre), Bücher unter den Arm geklemmt) im College auftaucht, in dem die Null-Bock-Generation der neunziger Jahre mit sich selbst beschäftigt ist.
Man kann sich nur wünschen, dass die viel beschäftigte Choreografin Farah Khan, die die Idee für diesen Film hatte, das Skript dafür schrieb, dessen Regie führte und nebenbei noch die Tanzszenen choreographierte, noch öfter die Regie eines Films übernehmen wird (ihr aktuelles Projekt ist "Om Shanti Om"). Mehr noch, Major Rams Doppelrolle bestehend aus seiner "undercover"-Persönlichkeit (Humor und Familiensinn) und seiner Militär-Persönlichkeit (Leadership and Action) kann so perfekt wohl nur von SRK dargestellt werden. Zusätzlich kann SRK mich in diesem Film selbst in den hoch-emotionalen Szenen von seinem Leid überzeugen, da es hier in den traurigen Szenen nicht ganz so tränenreich zugeht wie in "Kabhi Khushi Kabhi Gham (2001)" oder "Kuch Kuch Hota Hai (1998)".
Für mich ist dies der drittbeste Bollywood-Film von den gut 100 bisher gesehenen. Nur die nicht zum Mainstream-Bollywood gehörenden Filme "Asoka (2001)" und "Satta (2003)" gefallen mir besser.