Wieder einmal lässt der Diogenes-Verlag mit einem Großprojekt aufhorchen: Sämtliche 75 Maigret-Romane von Georges Simenon werden neu übersetzt und nun im Monatsabstand dem p.t. Publikum zum Kaufe angeboten (jeweils 4 Bücher pro Monat): Die Bücher sind in edlem Weiß gehalten; in Pappe gebunden und mit einem Lesebändchen versehen. Sicherlich ein netter Anblick im Bücherregal!
Doch nun zum 1. Roman der Maigret-Reihe aus dem Jahre 1929: Kriminalkommissar Maigret, 45 Jahre alt, vierschrötig, nichts so sehr liebend wie einen glühenden Ofen und ein paar Gläser Bier (im Dienst!), erblickt in diesem Roman "das Licht der Welt". Er amtiert im Hauptquartier der Pariser Kriminalpolizei und bekommt es gleich einmal mit einem gefinkelten Fall zu tun: Pietr der Lette, ein europaweit bekannter Krimineller, dem man nie etwas nachweisen konnte, ist auf dem Weg nach Paris. Maigret will ihn auf dem Bahnhof empfangen, doch Pietr lebt nicht mehr. Er wurde im Waschraum von Waggon 5 ermordet. Aber: Ein Mann, der dem Ermordeten täuschend ähnlich sieht, steigt kurz darauf im Luxushotel Majestic ab. Maigret ahnt, dass dieses Hotel noch eine wichtige Rolle spielen wird...
Liest man "Pietr der Lette", kann man verstehen, dass sich Simenon über Jahrzehnte hinweg eine treue Fangemeinde aufgebaut hat: Es tut sich viel in diesem Buch; die Verfolgungsjagden geschehen meist mit Zug oder Taxi - mit einem Wort: das Tempo ist hier etwas gemächlicher als in vielen modernen Krimis. Aber die Spannung ist hoch und fesselt den Leser bis zuletzt.
Weiters ei erwähnt, dass der neue Titel sich eng an das französischsprachige Original hält (und nicht schon im Titel die Lösung liefert).
Mit der Vermutung, dass Simenon viele neue Leser (und Maigret-Fans) finden wird, dürfte man nicht weit danebenliegen...