Zu den Eckdaten der Handlung muss man nichts mehr sagen. Stärken hat das Buch vor allem im Atmosphärischen: Der Ort, der um die Kneipe herum gebaut scheint, das atlantisch feuchte Wetter, die derben Typen, die da wohnen. Das ist alles so eindringlich dargestellt, dass die Bilder auch Jahre nach der Lektüre noch im Gedächtnis herumspuken.
Den Eindruck der großen Spannung kann ich allerdings nicht ganz teilen. Sicher: Man will wissen, wer es war, und es werden verschiedene Figuren auch während der Ermittlungen verdächtigt. Anders als bei Chandler jedoch, wo der Leser bei jedem Ermittlungsschritt in die Deutungen Marlowes einbezogen wird und miträtseln kann, wie die einzelnen Indizien zur Aufklärung des Falles beitragen könnten, stellt Simenon den Leser vor zwei Rätsel: Nicht nur der Fall, der schwer zu durchschauen ist, ist rätselhaft, auch die schrittweise Aufklärungsarbeit des Kommissars bleibt dem Leser weitgehend verborgen. Der Aufklärer erscheint hier selbst als zweites Rätsel. Maigret will in Ruhe gelassen werden - von seinen Kollegen, aber auch von neugierigen Lesern. Er kombiniert und entwirft Szenarien. Was er sich jedoch auf dem Weg für Gedanken zur Ermittlung macht, das erfährt der Leser erst ganz am Schluss. So kann man einen Krimiplot zwar auch konstruieren. Opimal gefallen hat mir dieser Aspekt des Romans aber nicht.