Ein typischer Simenon aus dem Jahre 1957 im besten existentialistischen Format auf knapp 200 Seiten:
"In moralischer Hinsicht (...) sind wir alle fähig zu töten, vorausgesetzt, wir haben ein ausreichendes Motiv und reden uns ein, dass wir nicht gefasst werden."
Auch über die Motivlage lässt uns Simenon nicht im Zweifel:
"Allen voran wohl die Eifersucht. (...) Dann kommt die Habgier."
Auf die Frage, ob der im Pariser Nobelhotel "Georges-V" ermordete Oberst Ward die junge, mittellose Comtesse Paverini geliebt habe, lässt Simenon den Millionär van Meulen antworten: "Louise ist wie ein Kätzchen, niedlich, amüsant, ja, sogar faszinierend. Darüber hinaus hat sie getan, was von ihr erwartet wurde, sie hat die Gewohnheiten gewisser Kreise angenommen."
Und während Maigret der geflüchteten Comtesse durch Frankreich und die Schweiz nachreist, nimmt der Leser teil am Luxusleben der Haute Volée.
Am Ende stellt Maigret seinem Verdächtigen ein Falle und behält Simenon natürlich recht: Reine Habgier war das Motiv. In einem klassischen "Show-down" überführt sich der Täter selber. Maigret geht nach Hause, nicht ohne dem Täter flüchtig die Hand auf die Schulter zu legen. Vorhang zu. Es ist eben alles menschlich.
Fazit: Ein lesenswerter Maigret aus dem Leben der Reichen, das so gar nicht anders ist als das der "kleinen" Menschen.