Mai-3D ist nicht langweilig. Die Szene, die in diesem Roman porträtiert wird, ist es. Die drei Autoren stellen mit gekonnter Übertreibung dar, was im hippen Berlin hinter der ganzen Medienfassade passiert. Nämlich so gut wie nichts. Das ist bitter und vor allem in Berlin will man nicht richtig warhaben, das die Stadt genauso langweilig ist wie Hamburg, München oder Frankfurt. Und wer in letzter Zeit mal in Berlin war, wird es nach kurzer Zeit ebenfalls festellen: Hier geht's auf alle Fälle nicht ab. Es sei denn, man ist Provinzei und nur für das Wochenende in der Stadt. In wenigen Jahren wird Mai-3D als das Sittengemälde der jungen, hippen Berliner Szene Ende der Neunziger gelten. Darauf wette ich. Man kann natürlich sagen: Die Romanfigur Kai ist ein ausgewachsenes Arschloch, Marc ist der planlose, kreative Chaot und David ein etwas seltsam pseudoakademischer DJ-Typ, aber ehrlich gesagt ist von Nightlife und Szene-Hengsten einfach nicht mehr zu erwarten, oder? Und wieso wird eigentlich von Literatur immer verlangt, daß sie nur positive Charakter abbildet? Die bad guys sind in Filmen doch auch oft die interessanteren Zeitgenossen! Und außerdem ist das Format von Mai-3D total spannend: Drei Figuren, drei Erzählperspektiven, die im Tagebuchstil gefaßt sind und ineinandergreifen , wann hat es sowas schon gegeben? Mein Kumpel, der Germanistik studiert , konnte mir kein formal vergleichbares Werk nennen. Vielleicht ist Mai 3-D Avantgarde-Literatur und niemand blickt's?