Aus der Amazon.de-Redaktion
Mahler gehört zu jenen Komponisten, denen gegenüber es keine Gleichgültigkeit geben kann. Der eine leidet seine Leiden, kämpft seinen Kampf, versteht seine Einsamkeit, liebt seine Schwermut. Der andere findet ihn überspannt, maßlos, übertrieben, ja hysterisch. Mahlers Sinfonien wollten stets "die Welt umfassen" und seine dritte Sinfonie tut dies in jederlei Hinsicht. In sechs Sätzen sucht Mahler Natur in all ihren Fassetten zu zeichnen: die Blumen auf der Wiese, die Tiere im Wald, den Menschen, die Engel und die Liebe (Gottes). Allein der erste Satz nimmt bereits über 32 Minuten Dauer in Anspruch -- die Gesamtdauer einer großen Mozart-Sinfonie!
Dem Dirigenten Kent Nagano wird hier äußerste Kondition abverlangt. Seine Realisierung dieses Kolosses ist in seiner Geschlossenheit und Präzision schlichtweg phänomenal. Da, wo sich -- so Mahler -- seine "Neigung zu wüstem Lärm" und seine "ganze wüste Natur und brutale Natur in ihrer nackten Gestalt" zeige, weiß Nagano genau, was zu tun ist. Besonders im gewaltigen ersten Satz: rücksichtslos knallen die schlächterhaften Rhythmen der Militärmärsche aufeinander, stoßen sich die grinsenden Dissonanzen voneinander weg und über all das scheinbare Chaos legt sich die ordnende Hand Naganos. Und auch in den anderen Sätzen "inszeniert" Nagano das Werk mit präzisem Griff und ganz im Geiste des Komponisten: spannend, mit aller Dramatik, Intensität und Farbigkeit und vor allen Dingen ohne Sentimentalität. Ein besonderer Glücksfall für Nagano ist seine Solistin Dagmar Pecková. Eine wahrhaft spektakuläre Interpretation eines spektakulären Werkes! --Teresa Pieschacón Raphael