Kurzbeschreibung
Mit der zwischen 1899 und 1901 in Wien und Maiernigg komponierten Vierten kehrt Mahler scheinbar zur klassischen Symphonie zurück: Traditionelle Viersätzigkeit, der Einsatz der menschlichen Stimme beschränkt sich auf das Finale, die Orchesterbesetzung ist deutlich reduziert, verzichtet sogar auf Posaunen. Vieles scheinbar Vertraute scheint hier allerdings fremd, und tatsächlich steht die ganze Symphonie sozusagen in Anführungsstrichen. Die kindlich naive Musik der Vierten, vor allem im Hauptthema des ersten Satzes, scheint dem Anspruch von hoher Symphonik zu widersprechen. Doch wird bald deutlich, die Musik glaubt nicht an das, was sie sagt. Mahler selbst merkte hierzu an, das Werk setze an bei der 'Heiterkeit einer höheren, uns fremden Welt, die für uns etwas Schauerlich-Grauenvolles hat'. Das im Finale beschworene himmlische Leben erweist sich allerdings alsbald als bloße Fortsetzung des sinnlos-irdischen Wettlaufs. Diese Ambivalenz aufzuzeigen, ist die Aufgabe, aber zugleich auch der Knackpunkt einer jeden Interpretation dieses Werkes. Anführungszeichen hörbar zu machen und doch eine kindliche Einfachheit zu bewahren ist eine heikle Herausforderung, und vielleicht ist gerade die vierte Symphonie der Prüfstein eines jeden Mahler-Zyklus. Gergievs Ansatz ist daher weit entfernt von einem sonnigen, sorgenfreien Idyll, sondern richtet ihr Augenmerk auf die unterschwellige Spannung in diesem Werk. Die Konzertkritiken in der Presse waren entsprechend begeistert, und ohne Zweifel hat Gergiev mit dieser Aufnahme die Probe bestanden.