Das trifft mitten ins Herz. Die großartige österreichische Mezzosopranistin Elisabeth Kulman und das Ensemble Amarcord haben vor wenigen Wochen in Wien eine neue CD mit Liedern von Gustav Mahler vorgestellt. Das wäre an sich ja nichts wirklich Neues - Mahler-Einspielungen gibt es tausende - wäre da nicht die mutige Instrumentierung.
Von Alfred Thiele
Amarcord hat Mahlers Lieder absolut außergewöhnlich, in einer bisher nicht gekannten Weise arrangiert: für Akkordeon, Violine, Cello und Kontrabass. Mit dieser Besetzung gelang den Musikern der Vorstoß in ganz neue Klangdimensionen: ein faszinierendes kammermusikalisches Erlebnis, dem sich der Zuhörer nicht entziehen kann, fesselt diese Interpretation doch mit einem Tiefgang, der jene Aspekte in Mahlers Schaffen, in denen es um die letzten Fragen unseres Seins geht, sehr berührend offenbar werden lässt. Zusammen mit dem wunderbar poetischen und natürlichen Mezzosopran von Elisabeth Kulman, der an keiner Stelle affektiert wirkt, kommt die Schönheit der Lieder Mahlers hier in bewegender Vollkommenheit zum Ausdruck - zum Weinen schön.
Elisabeth Kulman und Amarcord - das sind Tommaso Huber, Akkordeon, Sebastian Gürtler, Violine, Michael Williams, Cello, und Gerhard Muthspiel Kontrabass - haben für ihre CD einen repräsentativen Querschnitt aus Mahlers Liedschaffen gewählt: von den Rückert-Liedern über Kompositionen aus Des Knaben Wunderhorn" bis zu den Liedern eines fahrenden Gesellen" und Urlicht" (O Röslein rot") aus der zweiten Sinfonie. Neben den Liedern haben die Künstler noch das seit Viscontis Verfilmung von Thomas Manns Tod in Venedig" weltbekannte Adagietto" aus der fünften Sinfonie in dieser ungewöhnlichen Besetzung eingespielt. Auch hier öffnen sich Tore zu neuen und bemerkenswerten Klangwelten, die - nicht zuletzt dank des Akkordeons - durch ihre anrührende Schönheit und ihre tiefe Ausdruckskraft bewegen.
Hunderte, ja tausende von Mahler-Interpretationen, geniale, zu Herzen gehende und weniger gelungene, wurden seit dem Tod des Komponisten vor fast 100 Jahren auf LPs und CDs verewigt. Aber - und damit bringt es die Feuilletonistin Birgit Schlinger in MUSIKWOCHE.DE" auf den Punkt: So haben Sie Mahlers Lieder noch nie gehört".
Erschienen in: SÜDWESTPRESSE, Harmonika International und Intermusik, 2009