Tragödien spielen sich auf der Erde ab, manche werden dokumentiert, manche ignoriert und manche tauchen im Sucher eines Magnum-Fotographen auf. Immer wird es dann ziemlich emotional und immer fesseln die Bilder den Betrachter. Unter den Stars der engagierten Fotographie und des Bildjournalismus sind Dutzende Fotographen der Agentur Magnum aufgelistet. Angefangen von Robert Capa, Henrie Cartier-Bresson, David Seymour (Chim), George Rodger, Ian Berry, René Burri, Ernst Haas bis zu James Nachtwey (inzwischen aus der Agentur ausgetreten) oder Abbas.
Das Buch erzählt die Geschichte der Fotoagentur, wie sie entstand, wer dabei die treibende Kraft war, worum es den Gründern ging und was die Agentur zusammen hielt. Magnum ist heute die niveauvollste Agentur, die den Fotographen selber gehört. Aber Magnum ist auch die schwierigste, denn hier kämpfen Künstler, Bildjournalisten mit den Anforderungen an die Bilder und den Marktgegebenheiten. Obwohl sich Magnum alle Türen bei Verlegern, Zeitungen und Zeitschriften öffnen, steht die Agentur finanziell nie gut dar. Eigentlich geht es der Agentur sogar immer schlecht, weil das Interesse der Fotographen dominiert und damit finanzielle Interessen immer hinten runter fallen.
Dabei hat Magnum auch viele Marktchancen schlicht verschlafen. Tatsächlich gingen Prints und Negative verloren, die heute zu Höchstpreisen auf Auktionen hätten landen können.
In den 1950er und 1960er Jahren dominierten Magnum-Fotographen die Blätter, angefangen von „Life" - die Zeitschrift mit etlichen, später weltberühmten Fotostrecken, aber daraus konnte die Agentur manchmal nicht den großen Nutzen ziehen. Zum einen verzockte Capa eine Menge Geld, Fotographen taten ein Übriges. Manchmal wurde einfach auch nur der falsche Mann (Eugene Smith) mit Geld versorgt und das kam dann nie wieder zurück.
Was zeichnet einen Magnumfotographen aus? Zuerst eine geradezu durchgeknallte Hingabe an das Sujet. Magnumfotographen interessieren sich in der Regel nicht zu sehr für ihren Kontostand, solange Filme, Chemikalien und Themen da sind. Zum Zweiten sind die besten Werbeträger überhaupt für Leica, Ilford und Kodak, weil sie absolute Fans der Schwarzweißfotographie sind. Zum Dritten sind sie offen, in jedes Land der Erde zu reisen und zu fotografieren. Viele Fotographen hat Magnum in Kriegen (Robert Capa, David Seymour) und bei Unfällen (Werner Bischof) verloren.
Dieses Buch ist ein Muss für engagierte Fotographen, weil es das drumherum sehr nett und detailliert beschreibt. Autor Russel Miller hat wirklich jeden Stein umgedreht, auf dem Magnum steht und jeden interviewt und dabei interessante Dinge hervorgebracht. Zum Beispiel reden die meisten Magnumfotographen wenig über Fotographie. Manche habe sogar überhaupt keine Lust mehr, darüber zu sprechen. Viele Fotographen tauchten einfach in der Rue Faubourg St. Honoré in Paris auf, zeigten ihre Kontaktbögen und wurden aufgenommen. Manche dieser Fotographen lernten, indem sie für die Stars in der Dunkelkammer arbeiteten oder in dem sie einfach ein paar Nächte im Büro schliefen, dabei jeden Tag die fertigen Arbeiten der Kollegen anschauten. Magnum ist immer eine Familie gewesen - mit allen Krisen, Rissen, Verlusten, Gefühlen und Vertrauen. In gewisser Weise ist es eine Schutzorganisation für große Fotojournalisten, die ohne Magnum vielleicht nie das geschafft hätten, was sie leisten konnten. Das zeigen auch die Preise, die Magnum Fotographen gewonnen haben, James Nachtwey hat zum Beispiel gleich mehrfach den Robert-Capa-Preis und etliche andere Wettbewerbe gewonnen.