Die neun kompliziert verwobenen Plot-Stränge von Magnolia werden umrahmt von einem
großartigen Soundtrack mit neun Songs von Aimee Mann. Ihre Musik wird so fester
Bestandteil des Handlungsgefüges. Am Ende singen schließlich alle Charaktere - selbst
wenn sie im Sterben liegen - an den unterschiedlichsten Orten je eine Zeile von ?Wise Up?
laut mit, und alles bekommt seinen Sinn.
Aimee Manns Lieder passen wunderbar zum sehr intimen Stil des Films. »Ich bin stets auf
der Suche nach Texten, die die Sprache zelebrieren und so etwas auf wirklich interessante
und persönliche Weise vermitteln.«, betont Mann. »So reizt es mich, über Menschen zu
schreiben, deren Leben von einer Art rotem Faden durchzogen wird, und ich erzähle von
Dingen, die vielen von uns genauso passieren.«
Und es war ein Glücksfall, dass Mann dem Boogie Nights-Regisseur P. T. Anderson
begegnet ist. Denn bislang war ihr nach zwei Soloalben nicht jene Anerkennung vergönnt, die
Künstlerinnen wie Tori Amos oder Jewel zum großen Durchbruch verhalf.
Als Anderson sich während der Entstehungsphase des Drehbuches die Demobänder von
ihren neuen Liedern anhörte, gefielen sie ihm so sehr, dass er damit begann, seine
Charaktere um diese Songtexte herum anzusiedeln. »Während sie an den Liedern arbeitete,
arbeitete ich am Drehbuch.« Die Figur der Claudia, die vereinsamte Kokserin, nahm inspiriert
von dem Song »Deathly« Gestalt an. Und so wird sie von dem Polizisten Jim wegen
Ruhestörung aufgesucht. Tatbestand: zu lautes Hören von Aimee Mann. Bei ihrem
gemeinsamen Rendevouz spricht sie dann genau die erste Zeile von »Deathly«: »Nun da ich
Dich getroffen habe, würde es Dir etwas ausmachen, wenn wir uns nie mehr wiedersehen
würden?« Manns Lieder haben sich eher unwillkürlich einem zentralen Thema des
Regisseurs angenähert: emotionaler Befreiung.
P. T. Anderson: »Ich habe mich hingesetzt, um eine Umsetzung von Aimee Manns Liedern
zu schreiben. So wie man ein Buch für die Leinwand umsetzt, hatte ich die Idee, Manns
Lieder in mein Drehbuch zu packen. Beim Schreiben des Drehbuchs wurde ich zunächst
maßgeblich durch Manns Song »Wise Up« beflügelt. Ich habe mir aber dann ihre im
Entstehen begriffenen Lieder immer wieder angehört. Alle Geschichten des Films zweigen
irgendwie von Claudia ab, jetzt könnte man Eins und Eins zusammenzählen und behaupten,
dass meine Geschichten alle aus Aimees Kopf entsprungen sind. Doch alles was Aimee
dachte, waren auch Dinge, die ich gedacht habe. Da sie Gefühle besser auszudrücken
vermag als ich es je könnte, musste ich einfach bei ihr abkupfern. Sie drückt Gefühlsdinge,
die uns alle beschäftigen so klar und verständlich aus.«
Also ist dieser Soundtrack für jeden perfekt, um sich an den Film zu erinnern, um den Film
als Ganzes zu begreifen. Oder umgekehrt betrachtet ist Andersons Film die perfekte
Visualisierung von Aimee Manns Liedern und Gefühlen.