Seit ein paar Wochen nun besitze ich ein Paar Magnat Quantum 603. Vorher spielten an meiner Yamaha PianoCraft-Anlage (diskrete 2x65 Watt RMS) die Serienboxen, die mich auch schon Jahre begeisterten.
Nun bin ich zwar ein Musikgenießer und Stereo-Fan, werfe aber ungern mit bemühtem High-End-Deutsch um mich. Ich halte von dem insgesamt nichts, da jeder für sich subjektiv über Klang befinden muss.
Habe ganz normale Kabel (2x2,5 mm²) angeschlossen, die Schraubklemmen sind sehr schön (vergoldet) und massiv ausgelegt. Das Bi-Wiring-/Bi-Amping-Terminal nebst Kabelbrücken ist mir ein Rätsel, es gibt keine wissenschaftlichen Gründe dafür, außer, dass der Händler vielleicht zwei Kabelsätze verkaufen kann. Ein einziges Paar (noch besserer) Klemmen reichte völlig aus. Das Gehäuse macht beim Klopftest einen sehr soliden Eindruck, was sich auch im Gewicht (fast 8 kg/Box) niederschlägt. Die Front ist wirklich gut lackiert. Dank der magnetisch gehaltenen Abdeckung sieht man die berühmten vier Löcher nicht, die sonst jede Box ohne Abdeckung verschandeln. Ein keramikbeschichteter Aluminium-Tief-/Mitteltöner sowie eine folienbeschichtete Gewebehochtonkalotte teilen sich die Frequenzen; alles in allem sehr hochwertig und ausgeklügelt, und das vermutlich für lange Zeit. Der Filzstern um den Hochtöner sieht ziemlich technisch aus (dominiert das Bild der Front) und soll Kantenreflexionen verhindern. Die Frequenzweiche sieht ebenfalls sehr gut und aufwändig verarbeitet aus. Das rückseitige Bassreflexrohr ist recht groß und super abgerundet.
Der Frequenzbereich ist angegeben mit 30-55.000 Hz. Dazu folgendes: Bei 30 Hz hat die Magnat über 20 dB weniger zu bieten als bei 80 Hz - ist also kaum vorhanden. Habe sogar mal meine Sinuskurven-Test-CD (dB Jam 7.0) drauf losgelassen (vorsichtig!), auch bei 40 oder 45 Hz hört man nichts. Erst ab 55/60 Hz macht die Wiedergabe langsam Sinn (10 dB Abfall ggü. 80 Hz), ab 80 Hz ist die Box dann voll da. Bei der Membranfläche/bei dem Boxenvolumen - woher soll's auch kommen? Der Tief-/Mitteltöner hat übrigens eine vertrauenerweckende 3-cm-Schwingspule; sollte einerseits wirklich was an Leistung vertragen, andererseits braucht die Magnat auch 20 Watt RMS als Untergrenze, um ihr ganzes Vermögen zu zeigen.
Der hörbare Bereich eines Erwachsenen geht bis ca. 16.000 Hz, was völlig ausreicht, und der Bereich ab 20.000 Hz wird von allen Tonstudios der Welt sowieso gnadenlos weggeschnitten. Mehr sage ich nicht zu den 55 kHz der Magnat. Es gibt aber Leute, die sagen dass die hörbare Hochtonwiedergabe umso lockerer und schneller im Ansprechen ist, je höher der Hochtöner zu spielen vermag...
Tip: Die Quantum leicht auf den Hörplatz hin anwinkeln, nicht ganz parallel aufstellen, wenn sie mehr als 3 m auseinander stehen. Ein Wandabstand zur Seite von 10 cm und nach hinten von 20 cm reicht übrigens völlig aus, auch wenn jeder cm mehr ein Quäntchen reflexionsärmer klingt.
Der Klang an sich ist für mich bei den Quantum sehr gut, sie spielen alles auf hohem Niveau. Mein Verstärker lief neutral eingestellt, meinen Aktiv-Subwoofer ließ ich vorerst aus. Hörte The Corrs, Silly & Gundermann, Heinz-Rudolf Kunze, Die Ärzte - alles unplugged, Dire Straits, Chris Rea - beides von DVD und Sarah Brightman, Norah Jones, And One, Welle: Erdball, Kraftwerk, Yello sowie Metallica. Klassik höre ich auch hin und wieder, nur ist meine Urteilsfähigkeit da nicht so ausgeprägt.
Alles hörte sich so an, wie es sollte. Konzerte wie live, Bühne passt, Stimmen und Instrumente ortbar (auch in der Tiefe) und punktgenau, die anderen Sachen klangen exakt so, wie ich es mir immer wünsche. Bei "Easy Rider" hatte ich echt das Gefühl, Chris Rea sitzt vor mir und singt mir ein Ständchen... Umschreiben würde ich alles mit: anspringend, impulsstark, unangestrengt, genau, locker, gelöst, dynamisch, im Hochton nicht nervig zischelnd, angenehm seidig...
Mit dem zugeschalteten Subwoofer waren tiefe Töne doch um einiges souveräner, und Spaß macht's ja auch mehr (Subwoofer ist bei mir aber immer sehr zurückhaltend gepegelt). Ich habe einen Testtitel (Bassgitarren-Solo), da hörte und spürte man das kräftige Anzupfen der Saiten richtig als Impuls! Also, für den vollen Genuss: Subwooferunterstützung absolut empfohlen. Gerade auch bei Dance/Elektronikmusik.
Doch nun zu meinem Missverständnis: Magnat und die meisten Testseiten/-berichte geben den Tieftöner mit 17 cm an, die Fachzeitschrift AUDIO sogar mit 18 cm. Ein (wirksamer) Membrandurchmesser geht für mich schon immer vom höchsten Punkt der Sicke zum gegenüberliegenden (Membrandurchmesser plus "halbe Sicke"). Und da sind's bei mir irgendwie nur knapp 13 cm. Immerhin reden wir bei der Membranfläche schon fast von einer Halbierung! Also aufpassen! Man könnte gemeinerweise behaupten: Da hätte ich meine Yamaha mit 12 cm auch behalten können... Es ist aber schließlich nicht nur der Durchmesser, deshalb kein Grund zur Abwertung, da es für einen Stern Abzug nicht ausreicht. Zudem ist der Abstand von Korbaußenrand oben zu Korbaußenrand unten tatsächlich 17 cm.
Im Netz stehen auch manchmal "3-Wege-Box" oder "180/300 Watt" Belastbarkeit. Bei den Angaben scheinen manche die verschiedenen Modelle der 600er Quantum-Serie zu vermischen. Natürlich ist es eine 2-Wege-Box und ist mit 20, 30 bis maximal 100 Watt RMS glücklich.
Das Preis-/Leistungsverhältnis ist über alles erhaben. Eine schönere, technisch aufwändigere und in allen Belangen bessere Box ist in dem Bereich schwerlich zu finden. Dicke Empfehlung!
Aufgrund meiner Erfahrungen Mitte der 90er bis ca. 2004 kann ich nur sagen: Welcome back in real HiFi, Magnat!