Haust einst - die Sage tut's uns kund -
Der Basilisk, ein Untier wild,
Heut hält er Basels Wappenschild." ...
Mit diesen Worten beginnt eine Inschrift auf dem Gerberbrunnen in der Stadt Basel, die ihren Namen der Sage nach von diesem Basilisk erhalten haben soll. Aber nicht nur dort sondern auch an anderen Orten der Schweiz wird das Wasser in der Sage mit mythologischen Basilisken, Schlangen, Drachen und in der Folge mit Nixen mit Schuppenschwanz und später weiblichen christlichen Heiligen wie Margarete mit dem Wurm, Odilie, Verena etc. verbunden.
Da leider die Funktion "Blick ins Buch" nicht angeboten wird, hier eine Übersicht der 22 beschriebenen Kultquellen, damit sich der interessierte Leser schon vorab einen Überblick davon verschaffen kann, was das Buch enthält:
1. Basel - Der Basilisk im Gerberbrunnen
2. Arlesheim - Eremitagenquelle der Odilie
3. Baden - Heilwasser der Verena
4. Bern - Der Glasbrunnen im Bremgartenwald
5. Lenk - Simmenquelle im Berner Oberland
6. Lauterbrunnen - Das Tal der Wasserfälle
7. Rhonequelle - Gletschermilch und Eisjungfrau
8. Leukerbad - Heisse Quellen im Wallis
9. St. Moritz - Heilbad am jungen Inn
10. Scuol - Mineralwasserweg im Engadin
11. Rheinquelle - Tomasee in Graubünden
12. Bad Ragaz - Die Tränen der Tamina
13. Luthernbad - Heilwasser in Luzern
14. Werthenstein - Gnadenbrünneli am Jakobsweg
15. Rigi - Das Kaltbad am Vierwaldstättersee
16. Riedertal - Kindlibrunnen in Uri
17. Einsiedeln - Brunnen der schwarzen Madonna
18. Undervelier - Quellgrotte im Jura
19. Vallorbe - Feengrotte und Orbequelle
20. Areuse - Die Schlucht der Vouivre
21. Ascona - Madonna della Fontana
22. Zürich - Heilbrunnen der Wasserkirche
Auch bei der letzten genannten Kultquelle, dem Heilbrunnen der Wasserkirche in Zürich, spielt die Schlange eine Rolle. Der Sage nach soll die Kirche am Fluss Limmat auf dem Nest einer Schlange gebaut worden sein. Dieses Tier erschien eines Tages bei Kaiser Karl und bat um einen Richtspruch. Als er zu ihren Gunsten entschied, bedankte sie sich mit einem kostbaren Edelstein (dargestellt auf einem wunderschönen Gemälde im Frauenmünster). Laut Derungs versinnbildlicht die Schlange den Züricher Fluss Limmat, die Lebensader der Landschaft, den Genius Loci (Ortsgeist) der Stadt. "Das man den Fluss als lebendiges Wesen ansah, war keineswegs abwegig, sondern verbindet uns mit vielen Völkern, die eine animistische Naturauffassung kennen."
Augenfällig ist wirklich die bildliche Ähnlichkeit zwischen Tier und Fluss: Schlangen haben ihren Namen laut dem Duden (Das Herkunftswörterbuch) von schlingen (im Sinne von sich winden) erhalten. Mit ihrer Fortbewegungsart dem Schlängeln ähneln sie Flussläufen, die sich mit vielen Bögen durch die Landschaft winden, was man auf Landkarten und Satellitenbildern wunderbar sehen kann.
Überhaupt beeindruckt das Buch neben seinen informativen Texten durch die schönen Farbfotos. Ferner durch die rund 100 Seiten Backgroundwissen zum Thema Quellen und Mythos, einem umfassenden Literaturverzeichnis und einer Karte der Schweiz, in die die 22 Orte der Kultquellen eingezeichnet sind.