Für Völkerkundler, Religionswissenschaftler und alle am Volksaberglauben Interessierten vermutlich ein lesenswertes Buch. Für praktizierende Magier/Hexen des 21. Jahrhunderts nur mit extremen Einschränkungen - wenn überhaupt - brauchbar. Das Buch ist laut Angabe die Übersetzung eines alten russischen Grimoires - und das merkt man auf jeder Seite. Abgesehen davon, dass die "Anrufungen" auch im "schwarzen" Bereich reichlich obsolet anmuten (wer mag sich schon ständig als "Diener Gottes" bezeichnen?), beziehen sich die Rezepte und Sprüche auch noch dauernd auf die jüdisch-christliche Tradition. Für das Russland des letzten und vorletzten Jahrhunderts mag dies ja noch passend gewesen sein, aber "aktuelle" Hexen dürften sich damit nur schwer anfreunden können. Hinzu kommt, dass manche Zutaten nur schwer oder gar nicht zu besorgen sein werden (- wer hat schon das Mark aus dem Vorderlauf eines Wolfs bei der Hand??) oder die Praktiken extreme Tierquälerei bedeuten (- etwa das Zunähen der Augen eines Frosches um jemand blind zu machen).
Wie bekannt: In der Magie versetzt der Glaube Berge. Jemand, der an die Wirksamkeit der Zauber glaubt, mag vielleicht sogar hier oder dort damit erfolgreich sein. Aber das ist das Problem: wer kann heutzutage noch an solche Praktiken glauben?
In der Medizin heißt es: wer heilt, hat Recht. In der Magie könnte man wohl analog postulieren: wer den Zauber erfolgreich wirkt, hat Recht. Sollte es jemand gelingen, mit diesem Buch zum Erfolg zu kommen: Gratulation - du bist ein großer Zauberer. Für jene, die sich von dem christlichen Konzept befreit haben jedoch wird das Buch kaum von Nutzen sein. Persönlich würde ich es nicht mehr kaufen. Da es aber immerhin für Hintergrundinformationen sorgt: ein Stern.