Man soll ja, bei der Betrachtung der Person Dieter Bohlen, nicht unfair sein: Dieser Mann versteht es zweifellos wie kein anderer, klingende Münze zu machen - mehr als manchen (vielen?) lieb ist, im wahrsten Sinn des Wortes. Sei es Musik, seine Autobiografie, oder Werbung. Gewiss, das schafft Neid und Eifersucht, und allein auf dieser Ebene zu argumentieren, bringt wenig. Und ob in die Öffentlichkeit getragene Details über Penisbrüche und Sexspielchen im Teppichladen einen repräsentativen Eindruck eines Künstlers hinterlassen, sei dahingestellt.
Betrachten wir also ausschließlich das Produkt Musik, das die Bohlen'sche Hitfabrik regelmäßig ausspuckt: Die Vergesslichkeit und Fluktation des stets jungen Massenpublikums geschickt ausnutzend, fällt es nicht auf, im üblichen diesselbe oder im besseren Falle geringfügig modifizierte Melodie (mit Produkten wie Steinberg Cubase ist das nur mehr eine Frage von Sekunden) der hungrigen Konsumgesellschaft abwechselnd unter Namen wie CC Catch, Chris Norman, Nino de Angelo, Blue System, Modern Talking und Konsorten zum Fraß vorzuwerfen. Oder Alexander, wie zuletzt. Alexander ist, falls es einige schon vergessen haben sollten, der ruhmreiche Sieger von "Deutschland sucht den Superstar".
Und weil das beim ersten Mal so gut klappte - die "Deutschland sucht den Superstar" Produkte belegten Platz 1, 2 und 3 der deutschen Single-Jahresscharts (wohlgemerkt: alles komponiert von Bohlen), und Dieter ein bisschen Zeit hat (nachdem er uns zwischenzeitlich wissen lies, wie er am liebsten mit Einbrechern in seiner Wohnung verfahren würde), befreit der gute Junge ein paar seiner früheren Kompositionen von Spinnweben, das Zeug lagert ja gigabyteweise in seinem Studio, sampelt das Zeug ordentlich durch und fügt zeitgemäße Rhythmen hinzu. Ein bisschen mehr Bass halt, zu dem die Kids in den Discos abshaken können. Fertig ist das Endprodukt, und es unterscheidet sich nicht sonderlich von der Erstauflage: Von der musikalischen Originalität her ist "Deutschland sucht den Superstar" Part 2 trotz aller Bemühungen seiner Protagonisten und -Innen ungefähr so weit entfernt wie der Lärm der Müllabfuhr morgens um acht von einem Konzert der Berliner Symphoniker.
Schon in einem Jahr, spätestens wenn "Deutschland sucht den Superstar" in die - soviel steht zu befürchten - dritte Runde geht, wird man sich der jetzt noch gehypten Superstars kaum noch erinnern - oder weiß noch jemand wer außer Alexander und Daniel an der ersten "Deutschland sucht den Superstar"-Ausscheidung teilgenommen haben?