Lou Reed - schon in den 60ern machte er mit Velvet Underground die New Yorker Nachtclubs unsicher. Und manchmal leerten sie die Nachtclubs dann wohl auch ziemlich schnell. Velvet Underground hat den Begriff "Underground" in der Musikgeschichte geprägt. Nachdem sich der um Andy Warhol gescharte Velvet Underground aufgelöst hatte, machte sich Lou Reed selbstständig. Seine bekanntesten Lieder dürften wohl "Walk On The Wild Side" und "Perfect Day" sein. Letzteres war in dem Film "Trainspotting" zu hören. Obwohl sich "Magic and Loss" auch um das Thema Tod dreht, hat es mit den älteren Liedern, die von Drogen, Todessehnsucht und Sado Masochismus handeln, nicht mehr viel zu tun. Lou Reed ist clean und erwachsen geworden. Ob das positiv ist, mag jeder für sich entscheiden. "Magic and Loss" ist durch den Krebstod zweier seiner besten Freunde entstanden. Ich habe selten ein Album gehört, dessen Texte und meist einfache Melodien derartig traurig und deprimierend sind. Lou Reed beschreibt das Angesicht des sicher nahenden Todes, beschreibt, wie er sich fühlt, während sein im Sterben liegender Freund seine Verwandten zum letzten Mal sieht, versetzt sich in den Körper des Sterbenden (Magician), wechselt danach wieder den Körper und schildert seine Gedanken in "Sword of Damocles", bis sich die Trauer selbstständig zu machen scheint und in einer depressiven Wahnfantasie gipfelt: "Harry's Circumcision" - ein wirklicher "Reverie Gone Astray". Aber dieses Album ist keines, das nur die negativen Seiten sieht. Immerhin heißt es nicht "Loss", sondern "Magic and Loss". Nils Herzog, 11.4.2000