"Zwietracht" ist der dritte und letzte Teil der Ravnica-Trilogie, deren bisherige Bücher die Titel "Ravnica – Stadt der Gilden" und "Der Gildenbund" trugen und die parallel zur neuen, ebenfalls dreiteiligen Erweiterung des Sammelkartenspiels "Magic: Die Zusammenkunft" veröffentlicht wurden. Wie gewohnt muss man aber kein Magic-Spieler sein oder die Trilogien der letzten Magic-Erweiterungen kennen (von denen jedes Jahr eine neue herauskommt), um die aktuelle Geschichte verstehen zu können, denn sie ist vollkommen neu von den bisherigen Magic-Romanen unabhängig, wie es auch schon bei der Vorgängeredition "Kamigawa" der Fall war.
Bei der Rezension des zweiten Romans hatte ich ein wenig die knapp 12 Jahre große Zeitlücke zum ersten Teil bemängelt, und auch die "neue", vom ersten Teil ebenfalls relativ unabhängige Storyline. Im dritten Teil, der die Handlung nur wenige Wochen nach dem Ende des zweiten Buches weitertreibt, erkennt man jetzt jedoch, dass fast alles miteinander verknüpft ist und eine einzige, übergreifende und vollständige Geschichte ergibt, die keine Wünsche mehr offen lässt (höchstens dass es noch mehr Bücher von Ravnica gäbe).
Alle noch offenen Fragen der beiden Vorgängerbücher werden beantwortet, beispielsweise wohin die Engel der Boros Legion verschwunden sind und warum, welches Geheimnis die Schism über Utvara in sich trägt, welche Mächte hinter den jüngsten Ereignissen stehen, und vieles mehr. Daneben erfährt man auch einiges über die letzten drei bisher kaum beschriebenen Gilden von Ravnica, die Simic, die Azorius und die Rakdos, wobei sich solche Informationen abermals sehr passend in die Handlung einfügen.
Weiterhin trifft man liebgewonnene Charaktere sowohl aus dem ersten als auch aus dem zweiten Teil wieder, erfährt, was sie zwischendurch getrieben haben, und lernt daneben auch ein paar neue Protagonisten kennen. Das führt dazu, dass es meistens mehrere, relativ parallel verlaufende Handlungsstränge gibt, zwischen denen immer mal wieder gewechselt wird. Dadurch liest sich das Buch recht dynamisch, und man bekommt viele Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln mit.
Ansonsten hat Cory J. Herndon es mal wieder geschafft, einen von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannenden, actionreichen und trotzdem immer wieder humorvollen Roman abzuliefern, der zusätzlich noch mit einigen unerwarteten Wendungen gewürzt ist. Daneben kann er durchhalten, was schon in den letzten beiden Teilen sehr positiv auffiel, denn man bekommt auch in "Zwietracht" immer wieder neue und interessante Informationen über die Welt von Ravnica präsentiert, ohne dass dabei die Handlung in den Hintergrund tritt oder das Buch überfrachtet oder unübersichtlich wirkt. Es macht einfach Spaß, in diese stimmige, logische und (trotz aller Fantasy-Elemente) vollkommen real wirkende Welt einzutauchen, und dabei noch durch eine hervorragende Geschichte unterhalten zu werden. Mehr möchte ich zu der Handlung jetzt nicht sagen, denn alle weiteren Informationen darüber würden Dinge enthüllen, die der Leser lieber selbst herausfinden soll. Vertraut mir, es lohnt sich :).
Abschliessend gesehen ist es ist wirklich schade, dass "Zwietracht" der letzte Roman in der Welt von Ravnica ist, denn zumindest ich persönlich würde gerne noch mehr darüber lesen. Aber wir können uns damit trösten, dass diese Trilogie, die meiner Meinung nach noch besser als das bereits sehr gute "Kamigawa" ist, mit Sicherheit nicht die letzte Magic-Publikation von Cory J. Herndon gewesen sein wird.