"Ravnica: Gildenbund" ist der zweite Teil der Ravnica-Trilogie, der Buchreihe zur gleichnamigen Edition des Sammelkartenspiels "Magic: Die Zusammenkunft". Im Gegensatz zu den Büchern aus bisherigen Magic-Trilogien schließt dieser Roman jedoch nicht direkt an die Handlung des ersten Teils an, sondern bietet eine neue, relativ eigenständige Storyline. Doch dazu später mehr.
Der Schauplatz dieses Buchs ist fast ausschließlich das abgelegene Siedlungsgebiet Utvara, dessen Bauwerke schon seit langem vom Zahn der Zeit vollständig abgenagt wurden und nun ein tückisches Ödland aus brüchigen Trümmern bilden. Denn einst wütete in Utvara eine verheerende Seuche, so dass das gesamte Gebiet vom Rat des Gildenbundes unter eine 400-jährige Quarantäne gestellt wurde. Um die Wartezeit abzukürzen und ihr neu erworbenes Land möglichst schnell wieder besiedeln zu können, beauftragte die Orzhov-Gilde einen Izzet-Magelord, um mit einer Art Manabombe das Gebiet von jeder Art von Leben und damit auch den Überresten der Seuche zu "säubern".
Dieses Experiment erbrachte jedoch nicht unbedingt den gewünschten Erfolg, vielmehr verschlimmerte es die Wirkung der Seuche noch, und so dauerte es über 50 weitere Jahre, bis die Orzhov nun endlich nach Utvara aufbrechen können. Doch so leer, wie man glauben mag, ist Utvara schon lange nicht mehr, denn neben der kleinen Siedlung von Schatzjägern, die mit Schutzanzügen die Ruinen nach vergessenen Reichtümern durchsuchen, und dem Cauldron-Projekt der Izzet, welches die Seuche doch irgendwann bezwingen soll, gibt es auch noch die Ruinen-Wildnis, in der räuberische Gruul-Banden und andere, noch gefährlichere Kreaturen ihr Unwesen treiben. Und das sind längst nicht alle Geheimnisse, die Utvara für die geldbesessenen Orzhov bereithält... .
Im Anfangskapitel, welches einige Jahre vor dem Decamillenium aus dem ersten Roman spielt, schauen wir einem Goblin-Piloten in seiner Observosphere über die Schulter, und bekommen aus dieser interessanten Perspektive seine dramatischen Erlebnisse bei der Überwachung der Manabombenzündung aus erster Hand mit. Danach springt die Handlung ins Jahr 10012 und bleibt fortan dort, so dass zwischen "Ravnica: Gildenbund" und dem ersten Teil der Trilogie ein Zeitabstand von knapp 12 Jahren besteht. Daher beginnt hier auch eine neue Storyline, die von der des ersten Romans relativ unabhängig ist. Man trifft zwar ein paar altbekannte und liebgewonnene Charaktere wieder, zusammen mit diversen Referenzen zu den vorangegangenen Ereignissen, doch mit dem veränderten Umfeld werden auch einige neue und nicht weniger interessante Personen eingeführt, unter anderem eine junge Advokatin oder ein Goblinkurier. Auch sonst gibt es, wie schon im letzten Roman, immer wieder etwas Neues zu entdecken, wobei man auch eine Menge über die detailliert betrachteten Gilden der Orzhov, der Izzet und der Gruul erfährt.
Trotz der Vielfalt passt jedoch alles perfekt zusammen, ist spannend und stellenweise auch recht lustig. Das einzige, was mir ein wenig negativ auffällt, ist der etwas abrupte Schluss des Buches, welcher zudem ein paar Fragen unbeantwortet lässt. Allerdings gibt es ja bald noch einen dritten Teil. Alles in allem hat Cory J. Herndon abermals seine Fähigkeit unter Beweis gestellt, einen erstklassigen Magic-Roman abzuliefern, und ich warte gespannt auf den letzten Teil, "Ravnica: Zwietracht", der voraussichtlich Mitte des Jahres erscheinen wird.