Obwohl dies der erste von drei Romanen zu der neuen Kamigawa-Edition des Sammelkartenspiels "Magic - The Gathering" ist, sollte gleich am Anfang gesagt werden, dass man kein Magic-Spieler sein muss, um an diesem Buch Gefallen zu finden oder seine Story zu verstehen. Weiterhin ist die Welt von Kamigawa völlig neu und baut nicht auf bisherigen Romanserien auf, weswegen man auch kein Vorwissen über das restliche Magic-Universum benötigt. Jeder, der sich für einen guten Fantasyroman mit asiatischen Elementen interessiert, kann bedenkenlos zugreifen. Magic-Spieler haben nur den Vorteil, viele der handelnden Personen und Ereignisse auf den Karten wiederzufinden (oder umgekehrt).
Das Buch spielt, wie schon gesagt, in der von asiatischer Mythologie inspirierten Welt von Kamigawa, in der seit mittlerweile 20 Jahren ein blutiger Krieg zwischen der realen und der Welt der Geister (= Kami) tobt. Normalerweise werden diese Geister von den Bewohnern Kamigawas als Götter verehrt und angebetet, doch aus unbekannten Gründen haben sich viele dieser Götter nun gegen ihre Günstlinge gewandt. Zudem greift dieser Konflikt, der sich bisher hauptsächlich auf das Reich von Daimyo (= Kriegsherr) Konda und die mächtigeren Kami beschränkte, nun immer weiter um sich und beeinflusst jetzt auch die niederen Geisterwesen und den Rest von Kamigawa mit all seinen Einwohnern.
In dieser Welt, in der fast niemand mehr sicher ist vor bösartigen Kami, die sich aus dem Nichts materialisieren können, versucht Michiko, die Tochter des Daimyos, auf eigene Faust die Geheimnisse des Kamikrieges zu ergründen, wobei sie eine Kette von Ereignissen in Gang setzt, die... aber lest selbst.
Allerdings befasst sich die Story im ersten Fünftel des Buches, nach einem kurzen Prolog über Michikos Geburt, erstmal mit dem Schicksal von Toshi, einem Ochimusha (= ehrloser Krieger) aus den Takenuma-Sümpfen. Er wird im weiteren Romanverlauf ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, also darf man sich davon nicht irritieren lassen. Der Fokus des Buches wechselt auch später öfters zwischen verschiedenen Personen hin und her, wodurch man in den Genuss unterschiedlicher Blickwinkel der Ereignisse kommt.
"Outlaw: Champions of Kamigawa" schafft es, verschiedene Charaktere, Machtgruppen und eine reichhaltige Umgebung in einer spannenden, stimmigen und teilweise auch lustigen Geschichte zu vereinen. Das Lesen dieses Buches macht einfach Spass, und man kann es schwer wieder aus der Hand legen, bevor man es durch hat. Und dann folgt das ungeduldige Warten auf den nächsten Teil namens "Heretic: Betrayers of Kamigawa / Der Ketzer", der Anfang 2005 erscheinen wird.
Übrigens werden alle drei Kamigawa-Romane von Scott McGough verfasst, so dass man eine durchgängige (und, gemessen an diesem Buch, sehr gute) Story ohne Fortsetzungsfehler oder unterschiedliche Schreibstile erwarten kann. Bei den drei Mirrodin-Romanen der letzten Edition, die ja aus den Federn von ebenso vielen Autoren stammen, gab es da ja leider ein paar Enttäuschungen.