Da ich selbst Mutter eines Mädchens bin, das an Magersucht erkrankt war, hat mich das Buch besonders interessiert. Obwohl Jahre darüber vergangen sind, hat mich die erneute Konfrontation mit dieser Eßstörung regelrecht erschüttert. Der schleichende Beginn der Krankheit, die viel zu spät als solche erkannt wird, das seelische Leiden der Mareike, das sie nur mit immer stärkerem Rückzug aus dem normalen Leben zu kompensieren versucht und damit immer tiefer darin verstrickt wird-das ist sehr überzeugend geschrieben. Da ist einmal die innere Not des Mädchens, die Belastung bis aufs äußerste einfühlsam nachvollzogen, gleichzeitig sucht das Buch nach einer Erklärung für die Ursachen, sowohl im fämiliären Bereich als auch in den gesellschaftlichen Bedingungen der heutigen Zeit. Gut beschrieben ist auch, wie die Umgebung der Familie, Freunde ect. diesen verzweifelten Kampf mit den Kalorien lange Zeit nicht bewußt wahrnehmen, aber unbewußt Ausreden finden für die Launen und Aggressionen der Tochter. Erst der totale Zusammenbruch öffnet allen die Augen und danach erfordert das Begleiten auf dem Weg des kranken Mädchens viel Geduld, Liebe und Bereitschaft zum Verständnis. Letztlich wird erst durch Zuhilfenahme eines Psychotherapeuten tatsächlich weitergeholfen, über viele Monate hinweg in Richtung auf ein sinnvolles Leben. Nur sehr langsam geschieht das Akzeptieren des eigenen Körpers und der eigenen Unvollkommenheit. Schritt für Schritt wird die Trennung aus dem Elternhaus vollzogen, ein Prozeß des Aufwachens und Erwachsenenwerdens, um dann als freier Mensch im Einklang mit sich selbst zu stehen. Ich kann das Buch nur allen Betroffenen empfehlen, es wird keinen unberührt lassen. In flüssigem Stil geschrieben, war es für mich sehr informativ und hilfreich.