Ich war von diesem Buch ziemlich enttäuscht, denn meiner Ansicht nach ist es ausgesprochen unrealistisch, oberflächlich und viel zu sehr auf leichte angenehme Unterhaltung ausgelegt, um wirklich einen Eindruck davon zu vermitteln, was Magersucht bedeutet.
Sicherlich sind einige Gedankengänge von Magersüchtigen treffend geschildert, aber die ganze Betrachtung bleibt eben doch sehr oberflächlich und klischeehaft und wirkt eher so, als habe die Autorin sich kurz mal mit einer Magersüchtigen unterhalten und dann aufgeschrieben was hängen geblieben ist, ohne sich wirklich mit der dahinterstehenden Problematik zu befassen.
Der geschilderte Alltag reicht an die tatsächlichen täglichen Härten und Belastungen, die ich als Betroffene selber sehr gut kenne, längst nicht heran.
Das wirkliche Ausmaß des Terrors, dem man sich selber Tag für Tag aussetzt, kommt in dem Buch einfach nicht rüber, weil es offenbar primär unterhalten und auf keinen Fall erschrecken will.
Wenn man gar nichts über die Gedankenwelt von Magersüchtigen weiß, dann mag es als "unterhaltsame Einführung" einige interessante Aspekte enthalten, aber letztendlich verharmlost es das Problem vollkommen und ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass die Autorin selber wirklich magersüchtig war.
Und erst recht nicht, dass das ihre Originaltagebücher mit 11 Jahren sind.
Auch die "Wunderheilung" zum Schluß macht mich als Betroffene richtiggehend wütend, denn so einfach funktioniert es in der Realität nicht!
Die Bewältigung dieser vielschichtigen Krankheit ist harte, schmerzhafte Arbeit, die von Rückschlägen gekennzeichnet ist und die nicht selten trotz aller Kämpfe ohne Erfolg bleibt.
Diese verharmloste Darstellung, dass man nur ein kleines bißchen Selbstbewußtsein und eine "große Klappe" braucht, ist geradezu unverschämt, wenn man selber betroffen ist!
Alles in allem ist das meiner Meinung nach ein Buch, das man sich bei ernsthaftem Interesse, die Magersucht zu verstehen, nicht nur sparen kann, sondern sparen sollte.
Da gibt es wirklich bessere Bücher, die ebenfalls unterhalten, aber gleichzeitig auch das ganze Ausmaß des Elends bewußt machen, das hinter dieser Krankheit steht.