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Schostakowitsch ist vertreten mit einem Zyklus von fünf Satiren auf Texte von Sascha Tschorny (Op. 109), die der Komponist im Untertitel ironischerweise als "Romanzen" bezeichnet. Im Zentrum dieser über weite Strecken höchst emotional vorgebrachten Tiraden steht eine bitterböse Beschreibung jener Mentalität, die die Menschen gegenwärtige Missstände und Leiden im Blick auf angeblich bessere Bedingungen für die Nachkommen leicht resigniert akzeptieren lässt. Mit hervorragend positionierter, leichtläufiger und vor Intensität vibrierender Stimme gestaltet Kozená diesen darstellerisch höchst anspruchsvollen Zyklus.
In größtmöglichem Gegensatz zu Schostakowitschs Liedern steht Ottorino Respighis impressionistisches Poem "Il tramonto"; eingebettet in schmachtende Streicherklänge (brillant: das Henschel Quartett) wandelt die Gesangsstimme auf zauberhaft-verwunschenen Wegen. Kozéna wartet hier überzeugend mit einer breiten Farben- und Ausdruckspalette auf, wobei ihr die italienische Sprache allerdings nicht sonderlich idiomatisch gerät. Während Erwin Schulhoffs "Drei Stimmungsbilder op. 12" für Sopran, Violine und Klavier ähnliche Ausdruckswelten wie Respighi berühren, setzen die Gesänge von Ravel und Britten wiederum einen wirkungsvollen Kontrapunkt.
Kozená, deren noch junge Karriere in der Vergangenheit durchaus schon mal von Stimmkrisen beeinträchtigt war, scheint nun wieder ganz im Lot. Hoffentlich gelingt es ihr, Terminplan und Repertoireauswahl zukünftig so zu gestalten, das ihr wundervoller Mezzo keinen Schaden nimmt. --Michael Wersin
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