"Magdalena" ist ein erschütterndes Buch, ein absolut echter, subjektiver Tatsachenbericht über ein wichtiges Thema: (West-)Deutschland suchte ein paar Bürgerrechtler, die ihrem stasidurchseuchten Unternehmen Gauckbehörde Legitimität verliehen. Aber nur Fuchs war besessen genug von dem Thema, den Auftrag anzunehmen. Von seinen Erfahrungen als Mitarbeiter der Gauckbehörde berichtet er in diesem Buch.
Obwohl ich persönlich fasziniert von seinem Bericht war, gebe ich hier nur vier von fünf Punkten, weil das Buch in literarischer Hinsicht ziemlich unzulänglich und für einen Unbeteiligten vermutlich kaum lesbar ist: Es ist voller unhaltbarer Übertreibungen, voller Sentimentalitäten und Kitsch und inhaltlich ziemlich unstrukturiert. Hier spricht offenbar ein Traumatisierter, der nicht anders sprechen kann und dessen Andeutungen man nur versteht, wenn man einiges Hintergrundwissen hat.
In inhaltlicher Hinsiucht aber ist das Buch sensationell. Was Fuchs zu erzählen hat, nämlich welche bedeutende Rolle die Stasi - vom Westen toleriert und sogar gefördert - beim Aufbau der Gauckbehörde gespielt hat, das hat keiner der vielen DDR-Aufarbeiter bisher in dieser Klarheit und Unbestechlichkeit geschildert.
Bitte lassen Sie sich von dem subjektiv übersteigerten Blickwinkel des Autors nicht dazu verleiten, seine Beobachtungen nicht ernst zu nehmen! Denn es steht alles drin in dem Buch. Wir lernen den wohlwollenden, aber eitlen Gauck kennen, der gern gute Anzüge trägt und damals schon vom Bundespräsidentenamt träumt, den jovialen, korrekten Dr. Geiger (späterer BND-Chef), der Fuchs beschwichtigt, die "Pulloverbande" der Bürgerrechtsbewegung - und natürlich die Stasi-Typen: die Offiziere, die jetzt Sachlichkeit und Spezialistentum raushängen lassen, die kleinen Aktenträger, die das nun, nach `89, immer noch tun, und die vielen, vielen IM, die sich ihrer Clique immer noch verbunden fühlen und in deren Sinne agieren. Wenn man sich nicht abschrecken lässt von dem larmoyanten Bürgerrechtler-Pathos, wenn man auch die Nebensätze liest, dann ist alles da, was man über die Gauck-Behörde und die DDR-Bürgerrechtler wissen muss, auch die Selbstreflexion, die Zweifel, die Zurücknahme.
Vergessen Sie Hubertus Knabe - lesen Sie Jürgen Fuchs!