Am letzten Tag des vergangenen Jahres ist Donald Westlake mit 75 Jahren in Mexiko gestorben - ein Herzinfarkt am Silvestertag während des Urlaubs. Drei Mal wurde er mit dem 'Edgar' ausgezeichnet, der höchsten Auszeichnung, den die 'Mystery Writers of America' vergeben, von denen er auch zum 'Grand Master' ernannt worden war.
1962 ist dieses Buch erstmals erschienen und man merkt ihm das Alter bestenfalls an Kleinigkeiten an, wie dem Fehlen von Handies. Die Geschichte ist so schlank und sparsam erzählt, dass das Buch heute geschrieben worden sein könnte. Kurze Sätze, knappe Dialoge, wenige Beschreibungen. Die Bilder und die Geschichte entstehen im Kopf des Lesers und nicht, weil der Autor die Bilder vorgibt.
Die Story ist spannend, beinahe jedes Kapitel endet mit der Wendung, die die Figuren in noch größere Bedrängnis bringt und sie zum Handeln zwingt. Aber anscheinend fehlt bei uns der Markt für Bücher dieser Art: man scheint die Reihe nach nur sieben Büchern wieder eingestellt zu haben. Auf der Homepage des Verlages gibt es keinen Hinweis auf geplante weitere Bücher. In den USA sind in den vergangenen Jahren dutzende Perlen wie dieses Buch neu aufgelegt worden - oder erstmals erschienen. Ungekürzt, ergänzt und erstklassig ins Deutsche übersetzt.
Anscheinend gibt es mehr Freunde der beschaulichen 'Landhaus-Krimis' als der Hard-Case-Krimis, der Noir-Klassiker und der Pulp-Krimis, in denen man die Kugeln fast um die Ohren pfeifen hört.
Wenn sich genügend Käufer für dieses Buch finden, und für die anderen sechs erschienenen Bände, vielleicht wird die Reihe doch fortgesetzt?! Dann erwarten uns noch mehr längst verloren geglaubte Kostbarkeiten von Lawrence Block, Mickey Spillane, Ed McBain oder Richard Stark, dem bekanntesten Pseudonym von Donald Westlake - in der gleichen bewusst 'schundigen' Aufmachung mit fantastischen Covers wie diesem.