Diese Reportage über die diversen Aktionen der Mafia bietet zunächst jeweils einen kurzen Einblick in den Aufbau der italienischen und russischen Mafia und liefert zudem Belege, dass auch in Deutschland mit und unabhängig von diesen beiden Mafiagruppen mafiöse Machenschaften an der Tagesordnung sind. In Deutscher Hand erfolgt die Steuerung gerne durch ehemalige Stasi-Mitarbeiter oder SED-Mitglieder.
In den drei Teilen des Buches (Die Italienische Mafia, Die Russische Mafia und Mafialand Deutschland) werden dann zahlreiche Fälle skizziert und über tatsächliche oder vermeintliche Protagonisten dieser Szene berichtet. Dabei orientiert der Autor sich streng an Ermittlungsergebnissen und lässt bei nicht bewiesenen Fakten die Vermutung so stehen, dass deren Grund jedem einleuchten dürfte, ohne aber leere Behauptungen zu streuen.
Das erschreckende an allen Verbrechen, Delikten und Fällen - die mitunter ja auch keine Neuigkeit darstellen - ist, dass immer wieder die Ermittlungen eingestellt oder gar nicht erst eröffnet wurden, obwohl die Indizien offensichtlich waren. Und kam es dann mal zu Abschlüssen in den Untersuchungen, kamen viele Verdächtige und Schuldige mit mehr als einem blauen Auge davon. Gut beschreibt Jürgen Roth auch den Wandel der Mafia-Geschäfte. Ging es früher um die Kontrolle der Kleinkriminalität mit üblichen Liquidationen, nimmt man diese nur noch als ein Geschäftsfeld mit und widmet sich sonst mehr der Wirtschaftskriminalität. Dabei verzichtet man möglichst auf offensichtliche, weil inzwischen durchaus verpönte, Gewalttaten. Immer wieder geht es darum, schmutziges Geld mittels angeblich legaler Firmen rein zu waschen.
Roth liefert eine solche Unmenge an Fakten, Indizien, Informationen und Auffälligkeiten, dass man einige Male das Buch bei Seite legt, und zwischen Wut und Unglauben balanciert. Vor allem die Ohnmacht, der die Ermittler ausgesetzt sind, weil sie von Staatsanwaltschaft und Politik nicht unterstützt bzw. sogar gebremst werden, frustriert. Die Scheinheiligkeit, wie auch in der deutschen Politik und Wirtschaft in diesen Feldern agiert wird, macht wütend. Hervorzuheben im negativen Sinn sind hier sicherlich die Berichte über die ehemaligen Kadergenossen von Stasi und SED, die noch immer verbunden sind und sich in Politik und Wirtschaft zum Schaden anderer unterstützen und bereichern. Exemplarisch sicher die vielen Gelder der DDR, die verschwanden, die Gelder, die in die neuen Bundesländer flossen und versickerten und die zahlreichen lukrativen Geld- und Machtposten, auf denen heute Personen sitzen, die in der DDR zu SED, STASI und NVA gehörten.
Wer hier eine komprimierte Mafia-Geschichte in chronologischer Form erwartet, wird mit diesem Buch nicht bzw. nur gering bedient. Vielmehr muss man sich darauf einstellen, dass man sich durch unzählige Kriminalakten von Italien über Russland nach Deutschland durcharbeiten muss und der Lesespaß dabei manchmal an Grenzen stößt, weil es öfters auch - unterhaltungsmäßig gesehen - um recht trockene Fälle geht und weil man die Masse kaum noch in Zusammenhänge bringen kann. Hier gibt es also keinen unbedingten Roten Faden. Eher wurden unterschiedliche, aber auch vergleichbare und teilweise zusammenhängende Fälle vom Autor aufgegriffen und exemplarisch den einzelnen Kapiteln zugeordnet.
Dies dürfte den Wert des Buches jedoch nicht schmälern. Denn gegenüber von den häufiger monotonen sowie nüchternen und damit nicht immer kurzweiligen Berichten stehen die Wichtigkeit des Inhaltes und die schlichte Existenz des Buches. Und diesbezüglich bleibt festzuhalten, dass man wenigstens solche Bücher braucht, wenn die Staatsmacht - aus welchen Gründen auch immer - zu viele kriminelle Handlungen geschehen lässt, die letztlich auch dem hiervon scheinbar weit weg stehenden unschuldigen Bürger schaden. Und da ist es auch egal, wenn mancher hier ggf. nicht Neues gelesen hat und mehr sensationslüstern als betroffen ist. Und wenn es auch nichts Neues sein mag, solange es nicht vorbei ist, muss man immer wieder darauf hinweisen. Und in diesem Sinne, tut das Buch ein gutes Werk.