Lange habe ich als begeisterter Spieler von Mafia auf den Nachfolger gewartet, so, wie viele Andere auch. Die Erwartungen nach dem ersten Titel waren sehr hoch, war der erste Titel in den Augen vieler doch wirklich ein Meilenstein der Videospielgeschichte, was Atmosphäre und Geschichte angeht. So habe ich mir die Sammlerausgabe von Mafia 2 auch schon einige Monate vor der Veröffentlichung vorbestellt, auch wenn ich mir damals schon sicher war, dass die Fortsetzung für mich persönlich wohl nicht an den ersten Titel herankommen könnte, wie das ja auch häufig der Fall ist, sei es bei Fortsetzungen genialer Filme oder bei Bands.
Eins vorneweg: Ich habe mich für die Xbox 360 Variante entschieden, und zwar deshalb, da ich vor ca. einem Jahr auf die Konsole umgestiegen bin. Zuvor war ich jahrelanger PC Spieler, hatte schlussendlich aber die Nase voll davon, von "Sicherheitsmaßnahmen" wie SecuRom oder Kontoverpflichtungen wie "Rockstar Social Club" tyrannisiert zu werden.
Mafia 2 ist nun schon seit einigen Tagen erhältlich, und nach ausgiebigem Spielen (100% in der Statistik, habe mir also die Mühe gemacht, alle Steckbriefe und Playboyhefte zu sammeln) habe ich mich nun auch dazu entschlossen, eine Rezension zu schreiben. Hier möchte ich allerdings die Grafik außen vor lassen, da in anderen Rezensionen schon ausgiebig auf die Grafik eingegangen wurde und sich jeder im Internet detaillierte Grafikvergleiche zwischen den drei Systemen PC, Playstation 3 und Xbox 360 anschauen kann. Überdies finde ich, dass die Grafik sowieso hinter Atmosphäre und Geschichte eines Spiels stehen sollte. Meine knappe Meinung über die Grafik: sie gefällt mir sehr gut und ist sehr detailreich.
Einer der herausragendsten Punkte bei Mafia war die grandiose Atmosphäre. Selten habe ich Spiele gespielt, die mich dermaßen an den Bildschirm gefesselt und deren Geschichte so mitreißend und emotional vermittelt wurde wie in Mafia. Mafia 2 schlägt am Beginn, wie ich finde, genau in diese Kerbe, und versteht es durchaus, mich wieder an den Bildschirm zu fesseln. Die Geschichte von Vito beginnt sehr intensiv, als junger Kriegsheimkehrer im Winter, der nach zwei Jahren sein altes Umfeld wieder um sich hat - und die alten Probleme. Das Geld ist knapp und seine verschuldete Familie wird von Kredithaien tyrannisiert. Zum Glück weiß Vitos bester Freund, Joe, wie er seine Probleme lösen kann. Joe hat Kontakte zur Mafia.
Die ersten Minuten und Stunden sind wirklich spannend und intensiv, doch irgendwann bekommt man das Gefühl, das was fehlt. Ich will hier nicht zu viel von der Story verraten, doch wer Mafia 1 noch im Kopf hat und weiß, wie alle Missionen aufeinander aufgebaut haben und am Ende alles im Unausweichlichen enden musste, der wird in Mafia 2 genau diese inneren Zusammenhänge vermissen. Zu schnell geht alles zwischen den Missionen, nur am Ende werden einzelne Missionen enger miteinander verknüpft.
Was der Atmosphäre weiterhin schadet ist die fehlende Charakterbeschreibung und -entwicklung. Joe ist im Prinzip der einzige dauerhafte Begleiter der Geschichte, doch mehr Charaktereigenschaften außer, dass er gerne mal einen über den Durst trinkt und ein Heissporn und Draufgänger ist, konnte mir das Spiel nicht vermitteln. Keine Konflikte innerhalb der einzelnen Charaktere wie noch bei Mafia 1 - überhaupt wenige Charaktere, viele erscheinen hier und da mal, ohne, dass näher auf sie eingegangen wird. Sehr schade.
Noch ehe man sich überhaupt darüber im Klaren ist, welches Potenzial hier verschenkt wurde, kommt auch schon der Abspann, und zwar nach einer Mission, nach der man eigentlich denkt: ok, jetzt geht es richtig los, jetzt kommt das große Finale. Mission 15 ist das abrupte Ende des Spiels, und man fragt sich wirklich, ob es das jetzt schon gewesen sein kann?
Ja. Wie schon Mafia 1 ist auch Mafia 2 kein Sandbox Spiel im Stile eines GTA, man hat zwar eine offene und frei begehbare Stadt, kann aber wenig bis gar nicht mit dieser interagieren - keine Nebenmissionen, etc. Kein Problem eigentlich, denn das war wie gesagt bei Mafia 1 schon so. Was allerdings schlimm ist ist, dass man quasi an jeder Ecke sieht, dass Mafia 2 genau ein solches Sandbox Spiel hätte werden sollen (sucht mal Gameplayvideos von 2009 oder 2008 bei youtube, da sieht man noch das ursprüngliche Sandbox Spiel). Ich kann mir Kleidung kaufen und Autos in einer Garage parken, kann in Restaurants gehen und es wurden mir sogar Nebenmissionen versprochen (beim Schrottplatz und am Hafen), die letztendlich ein Witz sind (man kann Autos verschrotten / verschiffen und bekommt Geld dafür, dass man für nichts, aber auch gar nichts gebrauchen kann). Was man noch tun kann ist, 159 in der Stadt verteilte Wanted Poster zu sammeln. Diese bringen einem nichts, komplettieren nur die Statistik. Außerdem gibt es innerhalb der Missionen 50 Playboy Hefte, die gesammelt werden wollen. Das wars dann aber auch.
Ich habe bei Mafia 2 den Eindruck, dass das ganze Spiel irgendwie unfertig wirkt. Die Missionen und die Charaktere, die Geschichte, die Atmosphäre, überall lassen sich hervorragende Ansätze erkennen, die leider nicht konsequent genug umgesetzt wurden. Es wurden ja auch schon DLC angekündigt, die den fehlenden "Freie Fahrt" Modus nachliefern sollen, in dem man dann auch Nebenmissionen, eigene Häuser etc. hat. Warum nicht im ursprüunglichen Spiel? Nur, um bei den Käufern noch mehr Geld zu scheffeln? In den von mir angesprochenen Gameplay Videos von 2009 finden sich auch andere interessante Details. So war ursprünglich mal ein Baseballschläger als Nahkampfwaffe vorgesehen - Fehlanzeige im fertigen Spiel. Es sollte mehr Outfits geben - Fehlanzeige im Spiel, Vorbesteller-DLC dienten wohl als Ausgleich. Was, lieber Publisher, soll das?
Ich muss zugeben: all das hier ist Jammern auf hohem Niveau, wie ich finde. Ich habe eingangs erwähnt, dass ich Mafia 2 zu 100% durchgespielt habe, insgesamt habe ich knappe 30 Stunden damit verbracht. Das liegt daran, dass das Spiel trotzdem zu fesseln weiß, obwohl so viele Sachen unfertig wirken. Was dann wohl wäre, wenn man konsequenter vorgegangen wäre und auf DLC verzichten würde? Hach...
Wenn man auf das Mafia Setting steht, die 40er und 50er Jahre einer Amerikanischen Metropole interessant findet und Mafia 1 mochte, sollte einen Blick risikieren. Damit meine ich aber, lieber erstmal ausleihen und dann abwägen, ob man das Geld dafür investieren will. Ich persönlich bereue den Kauf nicht, auch, wenn ich nur 2 Sterne (3 für den Spaßfaktor - düsteres Spiel, jedoch oftmals witzige Dialoge) vergebe. Ich vergebe die 2 Sterne, weil ich
a) die Politik der Publisher nicht gutheißen kann. Warum musste dieses Spiel so offensichtlich zerstückelt werden? Wie die DLC aussehen, weiß ich nicht, auch nicht, ob ich sie mir kaufen werde oder nicht, aber dieses Spiel wie es jetzt ist, wirkt definitiv unfertig. (anderes Beispiel: Mafia 1 hatte 20 Kapitel, Mafia 2 nur 15, ohne richtiges Ende, da werden bestimmt noch 5 Missionen nachkommen)
2 Sterne Abzug.
b) auf Grund der Collector's Edition: Diese beinhaltet das Spiel im Steelbook, den Soundtrack, eine Stadtkarte und ein Artbook. Hört sich recht gut an eigentlich. Der Soundtrack ist auch wirklich gut, hier sollte man jedoch beachten, dass man keine Radiosongs, die im Spiel laufen, darauf findet, sondern die orchestrale Mafia 2 Musik. Das Steelbook ist ebenfalls nett und die Karte, naja, eine nette Zugabe, kann mir nicht vorstellen dass sich jemand anhand dieser Karte im Spiel orientier. Der Kritikpunkt ist allerdings das Artbook. Mir ist schon klar, dass in einem solchen viele Grafiken und Konzepte enthalten sind, allerdings empfinde ich es als eine Frechheit, dass man mit diesem Artbook eigentlich nur ein gebundenes Handbuch in den Händen hält (ein Handbuch fehlt nämlich!). Spärliche, in 5 Sprachen abgedruckte Informationen über die Stadt, Waffen, Charaktere und Fahrzeuge... mal ehrlich, früher war das alles in einem normalen Handbuch und musste nicht als Artbook angepriesen werden. Da für mich das Artbook einer der Hauptgründe für die Sammlerausgabe war, muss ich leider sagen, dass ich von der Sammlerausgabe eher enttäuscht bin. Die Grafiken sind ja wirklich schön anzuschauen und sehr detailliert, jedoch habe ich irgendwie mehr erwartet, als Informationen, die ins Handbuch gehören, und ein paar Grafiken, die man teilweise auch im Spiel freischalten. Warum nicht frühere Versionen der Charaktere zeigen? Konzepte für Level, Waffen, Autos, die es nicht ins Spiel geschafft haben (dann könnte man wenigstens sehen, was einem entgeht -.-)
Zu guter letzt: ein Downloadcode für das "Made Man" DLC. Hurra. Ich kann die Story entfremden, weil ich nun als armer Schlucker in einem todschicken Maßanzug und in einem Auto, dass es in den 40ern noch gar nicht gab, die Stadt erobern kann. -.-
1 Stern Abzug.
Alles in allem muss ich also sagen, dass ich, obwohl mir das Spiel zwar durchaus gefallen hat, trotzdem ziemlich enttäuscht bin, da es gemessen an den Erwartungen nach Mafia 1, der miesen Kürzungs- und DLC Politik des Publishers und der eher enttäuschenden Sammlerausgabe eher eine Enttäuschung ist. Dass das so ist, zeigt eigentlich nur, was aus dem Spiel hätte werden können, wenn nicht solche mir völlig unverständlichen Entscheidungen seitens des Publishers und vielleicht auch des Entwicklers getroffen worden wären: ein großes Spiel.
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