In einer Zeit, in der jeder RocknRoll nach Retro klingt und die musikalische Weisheit bei Bands wie The Strokes oder Mando Diao aufzuhören scheint, taucht diese erfrischende Truppe aus dem nördlichsten Streifen Skandinaviens auf und zeigt uns, wo der Hammer resp. das Brecheisen hängt!
Trotz der unglaublichen Lebenslust und Power, die die Musik von Kaizers Orchestra versprüht, ist man von seichten Pop-Rock-Liedchen à la Are you gonna be my girl? (JET) in etwa soweit entfernt wie Oslo von Canberra. Die Musik ist stellenweise sogar so düster wie Hammerfest im Winter, ohne jedoch allzu depressiv zu wirken und verliert auch in ihren melancholischen Momenten nichts von ihrer Faszination.
Maestro klingt in etwa so, als würden die Stone Temple Pilots Polka spielen, wobei die Mischung aus im weitesten Sinne alternativem Rock und Polka bzw. Elementen der Zigeunermusik nur eine Quelle dieser zum großen Teil unglaublichen und undefinierbaren Stimmung darstellt. Dazu tragen die Verwendung eines Kontrabasses, einer Pumporgel (zusätzlich noch eines Keyboards für klassische Klaviersounds), eines Akkordeons, diverser Blasinstrumente, sowie perkussiver Elemente (Fässer und Felgen) bei. Scheinbar inkohärente Bestandteile verschmelzen zu einem einzigartigem Ganzen, ohne nach billigem Mashup zu klingen, wie es einem überall um und in die Ohren gehauen wird, sei es nun im Mainstream-Rock oder auch in härteren Gefilden (wie z. B. bei System of a Down). Und dass nur auf Norwegisch gesungen wird, stört keineswegs, sondern klingt im Gegenteil sehr erfrischend im Unterschied zu dem Brit- oder Ami-Englisch, das die Welt des Pop- und Retrogaragenrocks so dominiert.
Diese zwar nicht unbeachtete, aber immer noch viel zu unbekannte Band, wie die lediglich sechs (!) Rezensionen für dieses Hammeralbum beweisen, die aus einem Land mit weniger als 5 Mio. Einwohnern kommt, kann man getrost als die momentan innovativste Band auf dem ganzen Planeten bezeichnen. Kaizers Orchestra, ich verneige mich vor euch!