Nachdem mir ans Herz gelegt wurde, dass Madsen eine furchtbar schlechte Liveband sein soll, habe ich die 5 Jungs vor gut einem Monat auf einem kleinen Uni-Fest (Publikumsumfang: ca. 70) für 8 Euro live erlebt. Ich muss sagen: Ich wurde eines Besseren belehrt.
Das, was sie in ihren Liedern ausdrücken wollen, vermitteln sie mit ihrer Perfomance, was schließlich die Kunst der ganzen Sache ist. Noch eine kleine Portion mehr Entertainment und das Konzerterlebnis würde den Genuss auf die Spitze treiben. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall.
Zur Platte:
Um es positiv auszudrücken, bleiben Madsen durchgehend ihrem Stil treu. Der Wiedererkennungswert ist demnach perfekt: "Das ist Madsen!"
Ein wenig ärgerlich sind dann schon krasse Parallelen wie die zwischen "Panik" und "Lüg Mich An" - die Machart ist nahezu identisch.
Nichtsdestotrotz haben sie einiges zu bieten. Die CD ist eine musikalische Achterbahnfahrt: Will man sich gerade sentimentalen Momenten hingeben, folgen schon wieder heiterer Klänge - will man in Gedanken schwelgen, wird man in der nächsten Sekunde durch vor Wut strotzendem Sound und gewaltigem Gesang aus dem Tagtraum herausgerissen. Mal zum Weinen, mal zum Lachen, mal zum Tanzen, mal zum Chillen. So muss das sein.
Über die Texte lässt sich nun einmal streiten. Ich persönlich berufe mich da gerne auf Thees Uhlmann (Tomte), dessen Worte genau meiner Meinung entsprechen: "Sebastian schafft es, durch unkonkrete Texte ganz konkrete Dinge auszudrücken."
Genau so ist es nämlich. Hört man sich die Zeilen an, weiß man zwar, was gemeint ist, fühlt sich aber dennoch nicht so peinlich entblößt, was bei deutschen Texten nunmal desöfteren vorkommt. Nur weil es Sebastian Madsen vermeidet, seine Songs auf eine hochintellektuelle und an Absurdität grenzenden Weise a la Tocotronic zu schreiben und nicht darauf verzichten will, trotzdem alltägliche Situationen darzustellen, sind die Texte noch lange nicht schlecht - meiner Meinung nach jedenfalls. Vor Letzterem haben viele Musiker nämlich Angst und verstecken sich hinter einem texttechnischen Deckmantel.
Madsen trauen sich.
Fazit:
Ich mag die Musik, ich mag die Texte. Die gefährlichen Parallelen ergeben einen Minuspunkt.