Das Madrigal: eine Liedform des 16.Jahrhunderts in freien Versen, kunstvoll, von textinspiriertem Manierismus, der die stimmliche Umsetzung von Vogelstimmen und Schlachtenlärm nicht scheut, melodisch-harmonisch ungemein ausdrucksstark, eine „musica reservata", eine Kunst für Kenner.
The king's singers: ein berühmtes Vokalensemble mit breitem Repertoire, das vom Mittelalter bis in die Moderne reicht, virtuos, mit Neigung zur humoristischen Interpretation, ein „Consort of Musicke" für Kenner und Genießer.
Offensichtlich hat sich hier ein Chor die ihm gemäße Musikgattung zur Aufführung ausgewählt. Im Gegensatz zu Aufnahmen beispielsweise von Beatlesweisen, die die king's singers eigenwillig und gewitzt umsetzten, lagen ihnen mit der Auswahl von Madrigalen des 16.Jahrhunderts Stücke vor, die keiner wesentlichen Umformung bedurften, um als virtuos verfeinert zu gelten. So erklingen sie wohl so, wie ihre Compositeure sie sich seinerzeit vorgestellt hatten. Ein großer Teil wird a cappella vorgetragen, einige mit leiser Laute begleitet, einige mit Flöten, Trommel und Schlagwerk akzentuiert.
Nicht alle gehören streng genommen dem Madrigal an, einige sind eher Ayres oder Lieder, schlichter aufgebaut; sie bilden einen angenehmen Kontrast zu den sehr ausdrucksvollen, die wichtigen Textstellen melodisch, rhythmisch und harmonisch heraushebenden echten Madrigalen. Diese wiederum können auf und nieder springen wie „Alla cazza", wehmütig klagen wie „Ach weh des Leiden", gar dahinsterben wie „Too much I once lamented", sie können aufgeregtes Durcheinander auf einem Schiff in Seenot widerspiegeln wie „La bomba"- wo letztlich die Imitationslust der königlichen Sänger in einer verstimmten guitarra entfaltet. „La bella Franceschina" spielt mit Reimen, die auch dem des Welschen nicht Kundigen wohlgefällig klingen, „Vitrum nostrum gloriosum" parodiert einen frommen Mönchsgesang, indem es das weingefüllte Glas preist; ein Stimmengewirr repräsentiert die für die Franzosen siegreiche Schlacht von Marignano in „La guerre".
Eines der bekanntesten englischen Madrigale, „Now ist he month of maying" von Thomas Morley, ist eigentlich eine Nachbearbeitung von Vecchis "So ben mi ch`abon", womit der Einfluß Italiens auf die Tonkunst der damaligen Zeit deutlich wird.
Italien, England, Frankreich-Flandern, Spanien und die teutschen Lande kommen musikalisch zur Darstellung. Das Begleitheft stellt die wesentlichen Madrigalkomponisten des Tonträgers und das interpretierende Ensemble in Kurzform vor, leider nicht die Texte.
Ein lohnenswerter Kauf für Freunde der Alten Musik - und für solche der king's singers.