Es gibt Bücher, die gehen einem noch tagelang, nachdem man sie ausgelesen hat, durch den Kopf. Robert Merles "Madrapour" gehört für mich zu dieser Kategorie.
Die für Merle typische, tiefgehende Ausprägung der Charaktere erzeugt, in ein surrealistisches Umfeld eingebettet, von Beginn an ein Gefühl der Beklemmung. Sechzehn 'Passagiere', deren Querschnitt ein präzises Bild vom Kleingeist und von der Borniertheit des Menschen, aber auch von seiner Würde und Größe vermittelt, finden sich mit einem Male in einer Welt wieder, in der andere Dinge wichtig sind, als man es gewohnt ist. Während die einen entschlossen an ihren tief verwurzelten Werten festhalten, beginnen andere, über den Sinn ihrer Reise nachzudenken.
Die dramatische Entwicklung der Ereignisse zwingt den Leser, sich dieselbe Frage zu stellen wie die anderen sechzehn 'Passagiere': "Wie kommt man aus diesem Teufelskreislauf heraus?" Die Antwort, die nur über ein gewisses Grundverständnis der Philosophie zugänglich ist, überlässt Merle dem Leser.
Sicher ist nur eines: Jeder von uns muss denselben 'Ausgang' benutzen...