Wer bietet sich besser als Projektionsfläche für subjektive Seelenschauen an als Madonna? Und so erfahren wir denn nicht unbedingt, was und wer Madonna ist - damit haben sich schon genügend andere Bücher beschäftigt -, sondern wir können in jedem der 39 Berichte an einem aufregenden Suchspiel nach eigenen Identitäten teilnehmen.
Da die Herausgeberinnen die Beiträge offenbar in eine Ordnung bringen wollten, gibt es 16 Kapitel, von denen mir nicht alle zwingend erscheinen. Aber ich las das Buch ohnehin nicht schulmäßig und didaktisch richtig von vorne nach hinten durch. Manchmal schlug ich den Wälzer einfach irgendwo auf, dann wieder leitete mich eine der Abbildungen oder ein Titel. Und der Zugang wechselte ja nach Tagesstimmung oder Situation. Spaß macht die Lesehaltung, mir Thesen zurechtzulegen, warum ein Autor den gewählten Blickwinkel einnimmt oder warum ihm genau diese Facette von Madonna so wichtig ist. Da ich mich schon lange mit dem Thema Helden beschäftige und durch die Bekanntschaft mit Keith Richards Gelegenheit hatte, die Beschaffenheit einer riesigen Projektionsfläche näher kennen zu lernen, sind mir viele Mechanismen dieses Wechselspiels geläufig. Ob Madonna letztlich die Einsamkeit vieler Ikonen teilt, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass wir ohne Heldenfiguren nicht auskommen. Und das weiß auch Madonna.
Mein Fazit: Mir gefiel diese Sammlung von Beiträgen über persönliche Betrachtungen zu einem Megastar. Es geht ja nicht um Wahrheiten, sondern darum, wie wir unsere eigene Identität suchen, finden, verwerfen und stilisieren. Man muss kein Fan von Madonna sein, um an diesem Buch Spaß zu haben.