Gainborough Pictures inszenierten im Kriegsjahr 1944 mit ihren zugkräftigen Stars Calvert und Granger (schon in "Der Herr in Grau" und "Gaslicht und Schatten" erfolgreich vereint) folgendes Melodram: Nach einer Vergewaltigung (ich interpretiere das aufgrund der weit aufgerissenen Augen, natürlich wird es nicht dargestellt) leidet die Klosterschülerin Maddalena (Phyllis Calvert) an einer Persönlichkeitsspaltung. Ihr Vater verheiratet sie mit dem wohlhabenden Giuseppe Labardi (John Stuart). Viele Jahre später erwartet das inzwischen in Rom lebende Ehepaar ihre inzwischen erwachsene Tochter Angela (Patricia Roc) zurück, die fünf Jahre in einem englischen Internat war. Auf Angelas Geburtstagsfeier bricht ihre Mutter beim Anblick von Angelas Bekannten Sandro (der spätere Regisseur Peter Glenville als dubiose Schattengestalt) zusammen und verschwindet in der Nacht, um als Rosanna in Florenz mit dem Gauner Nino (mit viel Locken und Schmackes: Stewart Granger) ein Lotterleben zu führen. Herr Labardi berichtet, dass dies schon das dritte Mal sei, dass seine Frau für eine längere Zeit verschwindet. In Florenz sucht Angela, begleitet von Mrs. Fiske (Hilda Bayle in einer komisch-kurios angelegten Rolle), ihre Mutter. Die Rückkehr Maddalenas zu ihrem Mann aber wird tragisch, dramatisch, rührselig.
Die heute etwas in Vergessenheit geratene Phyllis Calvert war einer der größten Stars des britischen Kinos der 1940er Jahre und einige Szenen, in denen sich die Schizophrenie der Figur andeutet, haben durchaus Gänsehautcharakter. Allerdings ist die Geschichte hoffnungslos überfrachtet, um ernst genommen zu werden. Als Maddalena führt sie an der Seite ihres Mannes ein zurückgezogenes Leben, sie neigt zu Überängstlichkeit, Prüderie, liebt ihren Mann aufrichtig, aber ohne große Leidenschaft, ist tief religiös. In ihrer zweiten Persönlichkeit Rosanna gleicht sie einer italienischen Carmen, libertin, aggressiv, qualmend, eifersüchtig, Nino um den Verstand bringend.
Es bleibt rätselhaft, warum sich Giuseppe nicht intensiver um seine offenbar kranke Frau kümmert. Da Doktor Freud anscheinend nicht greifbar war, wird seiner Gattin immer wieder Ruhe verordnet. Maddalena und Angela gleichen sich wie Schwestern, kein Wunder, die Darstellerinnen sind gleichaltrig. Ninos Bruder Sandro löst unwissentlich Maddalenas jüngste Bewusstseinsspaltung aus, als er in ihrem Haus auftaucht (ja, Italien ist ein Dorf und florentinische Gauner gehen im Haus römischer Millionäre ein und aus). Es bleibt etwas unklar, wie Maddalena/Rosanna nach ihren Ausflügen ins florentinische Proletariermilieu immer wieder nach Hause fand. Obwohl sie ihre Tochter neun Monate nach ihrer Heirat bekam, lässt Herr Labardi verlauten, sie sei kurz nach ihrer Hochzeit (Hochzeitsnacht?) für ein Jahr verschwunden - das wirft natürlich Fragen auf, die der Film leider nicht beantwortet. Stewart Granger darf verzweifelt mit den Fäusten auf den Tisch trommeln und in Gefahr elegant zur Seite springen. Seine etwas begrenzte schauspielerische Wandlungsfähigkeit wird in diesem Film nicht vermisst. Vermutlich grübelte er über Ninos Motivation und war sich selbst darüber nicht ganz im Klaren (zum Schluss wissen die Zuschauer, dass der Mordsbube das Herz auf dem rechten Fleck hat). Das Florenz der Tagediebe und Diebe ist sehr pittoresk und deutlich als Studiobau zu erkennen. Im Vorspann wird sogar ein katholischer Geistlicher erwähnt, der die Filmemacher bei den religiösen Szenen beraten hat. Der Katholizismus ist auch das einzig sichtbar Italienische der britischen Darsteller. Dafür sorgen Hilda Bayles Darstellung und hin und wieder unfreiwillige Komik dafür, dass der durchaus unterhaltsame Film nie zum Tränenzieher wird.
Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von Margary Lawrence und sei angeblich "taken from life", wie der Vorspann verkündet. Na, die Krankengeschichte hätte ich gerne nachgelesen.
Wer sich an Sentiment, Pathos, Logiklücken und Pappbauten nicht stört, sie vielmehr als die Unterhaltung fördernde Elemente zu schätzen weiß, ist mit diesem Film sehr gut bedient. Bei einer etwas besseren Ausstattung wäre ich gerne auf vier Sterne gegangen. Leider ist die DVD extrem puristisch: sehr leiser Originalton, keine Untertitel, das Bild hat altersbedingt gelitten, ist aber akzeptabel. Keine Extras. Dennoch: Für mich eindeutig ein Kauftipp!