Beth Ackerley, Witwe und frischgebackene Erbin eines großen Vermögens, lernt über ihren schmierigen Verlobten zufällig Lord Ian Mackenzie (schneidiger und umwerfender Schotte aus skandalträchtiger Familie, als verrückt verrufen) kennen. Diese Bekanntschaft ändert ihr geruhsames Leben schlagartig. Lord Ian warnt sie vor ihrem Verlobten und macht ihr prompt einen Heiratsantrag seinerseits. Die überraschte Beth lehnt den Antrag ab, kann sich den faszinierenden Schotten aber nicht wirklich aus dem Kopf schlagen. Sie löst ihre ursprüngliche Verlobung und reist nach Paris, um dort das Leben zu genießen. Dort stolpert sie über einen Teil von Lord Ians Familie und Ian selbst, der ihr in die Stadt der Liebe gefolgt ist, da er sie unbedingt für sich gewinnen will. Kann Beth dem einschüchternden und doch so anziehenden Ian vertrauen?
Jennifer Ashley verplempert in THE MADNESS OF LORD IAN MACKENZIE keine Zeit. Ian und Beth treffen schon zu Beginn des Romans aufeinander und die Ereignisse gewinnen schnell Tempo und vor allem Leidenschaft. Die Handlung fand ich trotz des Wissens um das obligatorische Happyend spannend und es gab doch einige überraschende Wendungen, wobei ich jedoch sagen muss, dass mir die Auflösung des Handlungsstrangs um Inspektor Lloyd Fellows, der Ian und seinen Bruder Hart unbedingt zu Fall bringen will, zu klischeehaft erschien.
Angetan war ich von den Charakteren des Romans. Insbesondere Beth hat mir sehr gut gefallen. Sie ist keine errötende Jungfrau oder eine delikate Rose, sie ist eine erfahrene Frau, die mitten im Leben steht und sich nicht sofort von Widrigkeiten aus der Bahn werfen lässt. Aufgewachsen in Bethnal Green, einem Armenviertel Londons, hat sie die dunklen Seiten des Lebens am eigenen Leib erfahren, was ihr im Umgang mit den raubeinigen Mackenzies durchaus einen Vorteil verschafft. Trotz ihres harten Lebens hat sich Beth ihr liebenswürdiges Wesen erhalten und sie ist sympathisch, mutig und durchsetzungsstark.
Ian hingegen hat wie seine drei Brüder Hart, Cameron und Mac keinen guten Ruf. Jahrelang war er in einem Irrenhaus eingesperrt und Gerüchte, er sei ein brutaler Mörder, machen immer wieder die Runde durch die englische Gesellschaft. Und Ian ist tatsächlich anders. Er leidet an einer Form von Autismus, die ihm das normale Leben fast unmöglich macht und seine sozialen Kompetenzen kann man als fast nicht vorhanden bezeichnen. Trotz seiner Handicaps hat er mithilfe seiner Brüder geschafft, ein halbwegs normales Leben zu führen. Ian ist ein typischer gequälter Held, der die Liebe einer guten Frau braucht, um endlich erlöst zu werden. Jennifer Ashley hat ihm mit seiner "Geisteskrankheit" aber einen interessanten neuen Zug verpasst, der ihn doch angenehm von den üblichen Helden der historischen Liebesromane abhebt.
Insgesamt interessanter fand ich aber Ians nicht weniger leidende Brüder, denen doch einiges an Raum in THE MADNESS OF LORD IAN MACKENZIE eingeräumt wurde, was doch dafür spricht, dass hier eine neue Reihe gestartet worden ist. Auch die zahlreichen Nebenfiguren im Roman fand ich ansprechend und gut ausgearbeitet.
THE MADNESS OF LORD IAN MACKENZIE hat mir alles in allem gut gefallen. Jennifer Ashley hat einen temporeichen, angenehm zu lesenden Stil, bei dem keine Langeweile aufkommt, und Beth und Ian sind sympathische Protagonisten, deren Geschichte man gerne verfolgt.