Als "Madman across the water" im November 1971 veröffentlicht wurde, war es in den Staaten bereits die vierte Elton-John-Platte des Jahres. Da das vorherige Studioalbum "Tumbleweed Connection" jedoch aus dem Sommer 1970 stammte, war es an der Zeit, nach dem Soundtrack zum Film "Friends" und dem Livemitschnitt "17-11-70" ein komplettes Album mit neuen Songs herauszubringen. Wie schon "Tumbleweed Connection" war auch "Madman across the water" weitestgehend von amerikanischen Themen beeinflusst, wenn auch nicht mehr so sehr vom Wilden Westen. Dominiert wird das Album von den US-Singleauskopplungen "Levon" (US Top 30) und "Tiny Dancer" (US Top 50), die beide nicht zuletzt durch tolle Orchesterarrangements von Paul Buckmaster bestechen. Gegenüber den ersten beiden Tracks erscheint "Razor Face" etwas leichtgewichtig, macht aber trotzdem durchaus Spaß. Als Abschluss der ehemaligen Seite 1 folgt der Titelsong, der das eigentliche Meisterwerk des Albums ist: Ein unglaubliches Orchesterarrangement, das es einem kalt den Rücken herunterlaufen lässt, harmoniert perfekt mit der Stimme des jungen Elton John, was den Song zu einem unbeschreiblichen Hörgenuss macht. Ähnlich geht es auf Seite 2 mit "Indian Sunset" weiter. "Holiday Inn" kann mit diesen Songs nicht ganz mithalten, überrascht aber durch eine interessante Instrumental-Coda. Obwohl nicht schlecht, zeigt "Rotten Peaches", dass John sein Pulver nun endgültig verschossen hat. Auch "All the nasties" bleibt vor allem wegen des langen Gospel-Outros im Gedächtnis. Waren alle bisherigen Songs reich instrumentiert, beschließt John das Album mit "Goodbye" nur von Streichern begleitet allein am Klavier.
Obwohl "Madman across the water" in den Staaten die Top 10 erreichte, verfehlte es in England eine Top-40-Platzierung. Es war das vorerst letzte von komplexen Orchesterarrangements dominierte Elton-John-Album. Das Nachfolgewerk "Honky Château" nahm er praktisch nur mit seiner Tour-Band auf und es klingt dementsprechend ganz anders. Da der neue Sound besser ankam (UK Top 3 / US No.1 und 2 US Top 10 Hits), blieb John dabei. Nichtsdestotrotz ist "Madman across the water" eines seiner besten Alben und wird in meinen Augen nur noch von "Goodbye yellow brick road" und "Captain Fantastic and The Brown Dirt Cowboy" übertroffen. Mein Fazit: Uneingeschränkt empfehlenswert ! ! !