fünf alben (drei studio, ein live, ein soundtrack) allein in den ersten beiden jahren als solo-artist. 15 alben zwischen 1969 und 1976 (im gleichen zeitraum schafft axl rose höchstens ein halbes): man kann sich diesen output heute nicht mehr vorstellen. kein wunder, dass das publikum überfordert war. zumal elton john in diesem ganzen kreativitätsrausch fast immer die qualität hielt. und die qualität im pop verhält sich meist umgekehrt proportional zum erfolg, das beweist gerade die karriere von elton john nachdrücklich.
"madman" ist eltons viertes reguläres studioalbum, und es hat etwas von allen drei vorgängern. von "empty sky" die intimität, von "elton john" die streicherseligkeit, von "tumbleweed connection" den filmartigen zugang. es ist die große stärke dieses so oft übersehenen albums, dass es all diese elemente in schönster harmonie vereint.
nehmen wir als beispiel nur "tiny dancer" (was für ein song!) eine folkmelodie kollidiert mit countrygitarren und großen gospelchören. oder der titeltrack: auf einem harschen bluesriff sitzt ein elegantes westcoast-folkrockstück im stil von stephen stills, bevor plötzlich eine offenbar aus dem musikverein entwichene horde klassik-streicher über das lied herfallen - und es noch besser machen!
elton john hält das musikalische niveau über das ganze album, kein song lässt die spannung fallen. zum typischen elton-sound seiner frühen jahre - folk, pop, country - kommen hier auch gospel und soul, was die musik sehr farbig macht.
man muss hier allerdings auch ein loblied von bernie taupin singen: seine texte erzählen einerseits kraftvolle, packende geschichten, wie kurzfilme - andererseits haben sie immer auch etwas vages, assoziatives, abstraktes. "tiny dancer" zb ist eine hommage an seine frau, eine ballettkünstlerin: "pretty eyed, pirate smile, you'll mary a music man." dann aber kommt: "jesus freaks, out in the street, handing tickets out for God, turning back she just laughs, the boulevard is not that bad." das beschreibt einerseits eine ganz harmlose straßen-szene, vermittelt aber gleichzeitig eine seltsam ungreifbare, beunruhigende stimmung.
und was genau ist mit der geschichte von "levon" gemeint, der an einem weihnachtstag auf die welt kam, als der krieg begann? der seinen sohn jesus nennt, weil er den namen mag? der auf der straße ballons verkauft, welche jesus aufblasen muss? Jesus möchte zur venus und fliegt mit einem ballon davon, "while levon slowly dies". packend, geheimnisvoll.
und natürlich ist es gewagt, wenn sich der blasse engländer taupin in "indian sunset" in einen krieger hineinversetzt, der mit dem untergang seiner kultur konfrontiert ist - aber taupin erzählt diesen western bei aller naivität faszinierend, sensibel und dicht: "and the red sun sinks at last into the hills of gold and peace to this young warrior come with as bullet hole."
ich empfinde diesen song als kern des albums - elton john lässt sich von den ersten, a capella gesungenen zeilen ganz tief in seine rolle hineinfallen. berührend.
wie einige der ganz frühen alben wird auch dieses leicht übersehen - vielleicht, weil es keine hits hat. warum hat es keine hits? weil es als ganzes ein hit ist. an manchen tagen denke ich, dies ist das beste überhaupt von elton john.
der restaurierte sound ist hinreißend, warm, transparent, der musik gerecht werdend. bonustracks gibt es diesmal nicht.