Elf lange Jahre musste man nach dem Klassiker-Album des Clans warten, bis auch der letzte der Neun, nämlich Masta Killa, sein erstes Solowerk unter die Massen brachte. Auch sonst gehört Masta Killa zu jenen im Clan, die erst im zweiten Atemzug genannt werden, was jedoch nichts an seinem Status ändert. Wer 2004, nach dem die Clan-Member in ihren Solo-Projekten teilweise erheblich vom ursprünglichen Sound abgedriftet sind, ein Album wie "No Said Date" bringt, der identifiziert sich noch ganz erheblich mit eben erwähntem Sound. Und dann dauert es nur vergleichsweise kurze zwei Jahre, bis der Mr Slow Flow des Clans nachlegt, 2006 erscheint "Made In Brooklyn".
Schon der Titel sollte mehr als selbsterklärend sein. Und da neben dem verstorbenen ODB auch alle Clan-Member vertreten sind, kann man sich auch hieraus einen Hinweis auf altbewährten Wu-Tang Sound erschließen. Als Fortsetzung von "The Future", dem Track vom ersten Album, ist der Opener von "Made In Brooklyn", nämlich "Then And Now", der jungen Generation überlassen worden. Die Söhne von Power, GZA und natürlich Masta Killa geben hier, über einen absolut einwandfreien Beat, eine Kostprobe ihrer Flows. Nachdem Young Justice, Shamel Irief und Young Prince fertig sind, ergreift erstmals der Meister selbst das Wort, um nach einer kurzen Vorstellung der Kids mit seinem ersten Track loszulegen. Dieser nennt sich "E.N.Y. House" und bedient sich einer sagenhaften Produktion vom großen MF Doom, der mit seinen verstaubten Bläsern den ersten Höhepunkt des Albums markiert. "When the East is in the house...".
Mit einer noch weitaus old-schooligeren Produktion folgt "Brooklyn King", das dem Flow des High Chief wieder wie angegossen passt. Schwer zu glauben, dass ein so minimales Konzept, nur aus Drums bestehend, so gut funktioniert. "Now you see how the Crowd respond when I get on / You will neva last in this square when I enter Brooklyn, also known as good lookin' / Crooklyn, slidin' through your central bookin'". Mit Kung-Fu Sample und gefährlich aufbrausenden Fanfaren erhebt sich "It's What It Is" zum nächsten Banger, ganz zu schweigen vom Feature des Zweigespanns Ghost & Rae.
Bronze Nazareth's erster Beitrag zum Album gerät sehr entspannt, "Nehanda & Cream" ist schon fast einen Tick zu ruhig. Etwas lebhafter gerät "Iron God Chamber", in dem reichlich Gäste zugegen sind und dessen Beat wieder extrem, aber auf positive Weise, anachronistisch klingt. Auch die zusammenhanglosen Philosophien eines RZA passen hier gut. "I was born in a barrel of razor blades / Right next door to haze, I used to be afraid / Of the devil, as a boy, but now as a grown man / I ealized, he is just a toy / A graphic image, I'm the magnificent splendid / Dominant, prominate, Islamic / I was here before the dinosaurs, shine & defining law / Measure every inch of the Earth / Combining more elements and chemicals, find space in minerals".
Heimlicher Höhepunkt findet sich im Remix zu "Pass The Bone". Ja, genau jenes "Pass The Bone" von dem allerersten Album des Genius. In dieser Version stößt man auf einen liebevoll soulig zubereiteten Beat, der sein Original noch übertrifft und dann natürlich Masta Killa, der nun an GZA's Stelle tritt, um mit seinem konstanten und schlichtweg überlegenen Flow den Track zu veredeln. So viel Relax-Faktor sucht 2006 seinesgleichen. Im Anschluss findet man sich umgeben von Pete Rock's Bläseraufgebot und eingeblendet in Diskussionen der "Older Gods". Ohne sich lange mit der löchrigen Logik sämtlicher auf dem Album vertretener und angesprochener Ideologien zu befassen sollte man einfach abschalten und Pete Rock in seinem Element genießen.
"Let's Get Into Something" ist die softeste Nummer des Albums, auf der sich der High Chief auch sehr lange nicht blicken lässt, sondern die Bühne dem Gesang Startel's überlässt. Und der braucht sich auf dem Album auch nicht zu verstecken und bietet eine gute Ergänzung des bisher Gehörten. Gegen das was jetzt kommt ist dieser Song allerdings nur Vogelfutter. "Street Corner", featuring Inspectah Deck und GZA. Allein schon diese Dreier-Combo ist Grund zur Freude. Doch das beste ist der Beat, denn der kommt vom Wiseman Bronze Nazareth und toppt alles bisher Gehörte. Er war, ganz nebenbei, auch schon auf der "Wu-Tang Meets The Indie Culture"-Scheibe zu hören, wobei das Aufgebot der MC's hier natürlich eine Steigerung ist und somit die Wiederverwendung auch rechtfertigt. Ein traumhafter Einstieg des Rebels und ein grandioser Abschluss des Altmeisters GZA. "When the revolution come, you can see me on the front line / Firing my gun, standing right beside my son / If I go, it's understood that I stood for something / When my whole life, they told me, I was good for nothing", so Deck.
Während man sich noch wünscht, das Instrumental würde endlos weiter vor sich hin spielen, wird man vom Beginn des nächsten Tracks wieder voll und ganz zurückgeholt; die dritte und letzte Produktion Bronze's kommt erheblich druckvoller als die bisherigen und reiht sich gleich hinter seinem Vorgänger zu den besten Tracks. Zudem wird eine Rede von NOI-Mitglied Benjamin Chavis Muhammad immer wieder eingespielt um den Song abzurunden. An diesem Punkt hätte MK sein Album am besten beendet. Das folgende "East MCs" muss zwar nicht über schlechte Raps klagen (ganz im Gegenteil), bricht jedoch aufgrund seines etwas einfallslosen Beats gegenüber dem bisherigen Niveau eindeutig ein. Und was sich MK gedacht hat, als er das Reggae-Stück "Lovely Lady" auf sein Album gepackt hat, steht in den Sternen. Passt weder zu Masta Killa noch ganz allgemein in ein solches HipHop-Album.
"Made In Brooklyn" spiegelt, abgesehen vom Schluss, absolut die Beständigkeit, sowohl in der Qualität als auch im Sound, von Masta Killa's Musik wieder. Auch auf diesem Album gibts es nicht das Geringste, was ihn aus der Ruhe bringen könnte wenn er gemächlich seine Runden am Mic zieht. Und genau das macht auch seine Stärke aus, die ihm hier wieder zu einem Release verholfen hat, was die meisten anderen seines Jahrgangs schlagen kann. Routine ohne Langeweile ist das Motto, das auch genau so umgesetzt wird. Und den einzigen Versuch, etwas Neues einzubauen, hätte man sich sogar sparen können. Ansonsten: mehr als nur solide Kost aus der guten Wu-Küche!