Paris in Mitten der technischen Neuerungen. Nächtliche Straßenbeleuchtung, der Eiffelturm, ein Ungetüm aus 7.000 Tonnen Eisen, der Nächtens in drei Farben leuchtet und per Aufzug erklommen werden kann, die Tram und nicht zuletzt das Telefon ... doch damit nicht genug werden auf der Weltausstellung am Marsfeld 1889 alle französischen Kolonien vorstellig. Ein Aufwallen in der Gesellschaft, Mieder werden geschnürt, Röcke werden gerafft.
Die Weltausstellung hält ganz Paris in Schach, doch nicht allein wegen der überaus spannenden Exponate, sondern wegen einiger mysteriöser Todesfälle, die vor der Hand auf Bienenstiche zurückzuführen sind. Die Zeitungen nützen die Gunst der Stunde und kämpfen einander am laufenden Band den Rang ab. Schon bald wird klar, dass es sich hier um Giftanschläge handelt, doch die Polizei will davon nichts wissen.
Schließlich wird der Antiquar und Buchhändler Victor Legris unfreiwillig hellhörig. Als sein Kompagnon, der Japaner, Freund und Ziehvater Kenji Moriun unweigerlich ins Licht der Verdächtigen rückt, nimmt er sich der Aufklärung des Falls an. Diese führt ihn nicht nur mehrfach auf die Weltausstellung sondern auch in die Elendsviertel nicht unweit des Marsfeldes. Er wird in die Welt der Maler, Karikaturisten und Journalisten eintauchen, wird Bekanntschaft mit einem exzentrischen, Millionen schweren Kunstsammler machen und seinen Freund immer weiter im Sumpf des Verbrechens versinken sehen.
Ein historischer Kriminalroman, ein Parisroman, eine Hommage an die Kunstgeschichte (van Gogh wird noch unbeachtet zur Seite gelegt) und die technischen Errungenschaften; Der erste Roman einer Reihe rund um den Antiquar Legris, der nun ins Deutsche übersetzt wurde. Der Anhang verwöhnt mit einem kurzen aber sehr gut getroffenen Nachwort über die Pariser Weltausstellung, deren gesellschaftlichen Hintergrund und einer Leseempfehlung aller, in der Buchhandlung herum geisternden bekannten und auch unbekannten Bücher.
Ein wahrhaft lebendiger Hintergrund für all die Todgeweihten; Alles ist in Bewegung, Paris zeigt sich in voller Pracht; Eine fabelhafte neue Figur, ein knisternder bekannter Schauplatz in der Krimiwelt. Das Motiv ist für mich letztlich der übrigen Geschichte und ihrer aufgebauten Spannung weniger würdig und gerät rasch in Vergessenheit. Macht aber gar nix!
Wunderbare Krimiempfehlung!