Die Handlung ist schnell erzählt. Russen und Madame Terror, die wunderschöne, extrem intelligente Chefin des palästinensichen Geheimdienstes (der wie immer auf absoluter Augenhöhe zum MI6 und CIA agiert), rekrutieren ein paar in die britische Oberschicht integrierte Exil Palästinenser mit Cambridge Abschlüssen im High Tech Bereich und bauen ein Super-U-Boot mit Science Fiction Waffen, das praktisch unbesiegbar ist. Der schwedische Agent Hamilton, "Vater aller Agenten" und Held der vielen Coq Rouge Bücher, wird von seiner alten Flamme (eben Madame Terror) aus dem Ruhestand aktiviert und erhält als Vize-Admiral den militärischen Oberbefehl über das Boot. Gemeinsam zerstören sie die israelische Flotte und was man ihnen sonst in den Weg wirft, erpressen den UNO Sicherheitsrat, um einen freien Hafen, eine eigene 3 Meilenzone und einen Flughafen für den Gazastreifen zu bekommen.
Wie bei den anderen Coq Rouge Büchern merkt man auch hier, dass es Jan Guillou einfach Spaß macht seine eigene Wunschvorstellung einer Agentenwelt zu beschreiben. Hier schreibt ein Champagnesozialist, über einen linken adeligen Superhelden, der jedem Menschen edle Weine und gutes Essen gönnt, so sehr, dass er nicht einmal in diesem fiktiven U-Boot darauf verzichten will, und dort unter Wasser eine multiethnische Gourmet Kombüse betreiben lässt.
Die Handlung des Buches ist natürlich Nonsens. Eine Art Wunschtraum des Autors, in der sich der langwierige Nahostkonflikt seinem Gerechtigkeitsgefühl anzupassen hat. Ich finde das Buch, im Gegensatz zu anderen hier, allerdings nicht anti-israelisch, sondern ganz einfach pro-palästinensisch. Ich denke das ist ein Unterschied. Guillou bezieht klar Partei für die Underdogs aus dem Gaza Streifen, die endlich einmal so etwas wie eine militärische Überlegenheit haben, die sie dann auch pedantisch ausnutzen, bis wirklich jedes israelische Kriegsschiff zerstört ist. Weil die Helden hier so rein gar nichts mit dem sonst verbreiteten Gut-Böse-Denken der anglosächsischen Schreiber, westlichen Medien und Hollywood Produzenten zu tun haben, ist es auch durchaus erfrischend, wenn mal die Russen und "die Moslems" die Guten sind, und die Amerikaner (während der Regierung von George W.) als wilde Militaristen charakterisiert werden, die von einer zusammengewürfelten Bande vorgeführt werden. Allerdings wird dies natürlich wie bei seinen bisherigen Coq Rouge Abenteuern auch hier weder eine Übersetzung ins Englische, noch eine Verfilmung außerhalb Schwedens oder des Gazastreifens erlauben.
Zudem ist die Beschreibung der perfekten militärischen Kompetenz und Ritterlichkeit des russisch-palästinensischen U-Boots ungefähr so glaubhaft wie die Legende von den irakischen Massenvernichtungswaffen (um mal einen Vergleich aus der geographischen Region zu nehmen). Nicht einmal die Heilsarmee würde sich so verhalten. Zudem schlägt auch hier die Kenntnis vom üblichen Ablauf der Cog Rouge Romane auf den Spannungsbogen durch. Man weiß relativ schnell, dass die Sache für unsere Helden gut ausgehen wird, und am Ende wieder Medaillen und Ehrungen wichtiger Politiker für Hamilton und Madame Terror winken. Dennoch liest man natürlich flüssig bis zum erwarteten Ende, und kauft dem Autor zumindest teilweise ab, dass die Palästinenser so etwas wie die über die Erde verstreute und von allen unterdrückte Intelligenzija der Araber sind, und kein Volk von wütenden Männern, die anti-israelische Parolen in westliche Kameras brüllen und dabei mit der Kalaschnikow in die Luft ballern.
Guillou scheut sich ja nie, lebende Personen in die Romane einzubauen. So bekommen Dick Cheney und Donald Rumsfeld und bedingt auch George Doubleyou ihr Fett weg, wohingegen die Sympathien des Autors (und wohl auch des Lesers) bei Condoleeza Rice und Wladimir Putin liegen.
Nachdenklich stimmen jedoch die Überlegungen zur Definition von Terrorismus vs normaler Armee. Sogar im Klappentext des Buches oder in Rezensionen wird vom "größten Terroranschlag" oder vom "Terror U-Boot" gesprochen. Dahingegen ist ja die Hauptaussage des Buches, dass es sich hier eben NICHT um ein Terrorkommando handelt, das wahllos unschuldige Zivilisten umbringt, sondern um die "Flotte der Palästinenser" unter dem politischen Oberkommando des gewählten palästinensischen Präsidenten. Hier kann und wird man unterschiedlicher Meinung sein, je nach politischen Standpunkt.
Fazit: Wer über die letzten 20 Jahre den schwedischen Supermann und Überagenten Hamilton in den Coq Rouge Romanen verfolgt hat, der sollte sich auch diese Reaktivierung gönnen, wenn auch Hamilton erst relativ spät im Buch auftaucht und durch seine Perfektion und Übergröße inzwischen mehr einem Marvelschen Superhelden als einem Menschen gleicht.