Die Autorin hat ein flüssig zu lesendes, spannendes, gut recherchiertes Buch geschrieben. Ihr ist es gelungen, mit vielen und klug ausgewählten Hintergrundinformation ein buntes Lebensbild einer faszinierendes Persönlichkeit zu zeichnen.
Der Vater von Germaine de Stael ist ein Multimillionär mit Schweizer Wurzeln, der am königlichen Hof in Frankreich Karriere macht. Germaine liebt ihren Vater durch und durch. Sein Tod wird der grösste Schock ihres Lebens sein. Ihre Mutter, ebenfalls mit protestantischen Wurzeln, erlebt die Geburt der Titelheldin als Trauma. Sie will ihre strenge Gewissensethik auf ihre Tochter übertragen (was ihr nicht gelingt) aber sie gibt ihr noch etwas ganz anderes Prägendes mit: Die Liebe zur Salonkultur. So wird Germaine zu einer durch und durch gebildeten Frau: Auf Philosophie, Literatur, Mathematik und auf vieles andere mehr kann Germaine zurückgreifen. Später wird sie durch einen eigenen Salon mit ihrer Mutter konkurrieren.
Was an Germaine so fasziniert, ist ihr Selbstbewusstsein. Sie lässt sich in einer Männer dominierten Gesellschaft nicht unterbuttern. Sie lehnt den ersten Ehekandidaten ihrer Eltern ab, sie setzt sich für Marie-Antoinette ein, sie rettet Freunde aus dem revolutionären Frankreich in die Schweiz, legt sich später sogar mit Napoleon an (auch wenn ihr das zahlreiche Nachteile schafft, wie die Verbannung) und auch mit ihrem schwedischen Ehemann und Botschafter, dem sie als geborene Necker ihren neuen Namen verdankt, Madame de Stael, geht sie selbstbewusst um. Auch viele Reisen bereichern ihren Horizont. Wobei die Deutschlandreise die prägendste und wichtigste sein wird. Nach einigem Zögern überschreitet sie den Rhein und durchquert das unbekannte Nachbarland. Schwerfällig, langsam, aber auch voller Gelehrsamkeit, das sind unter anderem ihre Eindrücke von den Deutschen. Sie wird daraufhin ein Buch verfassen "Über Deutschland". Im Lande selbst begegnet sie zum Beispiel in Weimar einem kauzigen Goethe, der am liebsten in Ruhe gelassen sein will, einen französisch radebrechenden Schiller und einem galanten Wieland, der Germaine gegenüber bedauert, dass er nicht Jahre später geboren wurde. Germaine und die Männer, dies wäre schon ein eigenes Buch wert. In Berlin wird sie als Ehrengast empfangen. Zu Schlegel wird sie eine lebenslange Freundschaft verbinden. Verschiedene andere Männer spielen wichtige Rollen in ihrer Biographie. Sehr spät wird sie noch einmal heiraten und ist Mutter.
Neben Deutschland bereist sie auch Russland. Obwohl französische Truppen ihr auf den Fersen sind, wird sie im Lande des Zaren freundlich empfangen.
Dieses Buch über eine leidenschaftliche Frau, Schriftstellerin, Mittlerin zwischen den Kulturen, Ausnahmepersönlichkeit, schlagfertig, spontan, Kämpferin für die wahre Freiheit, kann ich nur empfehlen. Ich habe mich auf keiner Seite gelangweilt. Eine Zeittafel und ein nützliches Literaturverzeichnis verstärken meinen sehr positiven Eindruck, welchen dieses Buch auf mich gemacht hat.