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Madame: Roman
 
 
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Madame: Roman [Taschenbuch]

Antoni Libera , Karin Wolff
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 496 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Mai 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423129743
  • ISBN-13: 978-3423129749
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 384.889 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Politischer Roman, Literaturzitatkunstwerk und eine der vornehmsten Liebesgeschichten überhaupt.

Kurzbeschreibung

Was für eine Frau! Eine strahlende Erscheinung voll kühler Eleganz, umweht von einem Hauch französischen Parfüms – und das mitten im grauen Polen der 60er Jahre. Eine gewisse Zeit kann der Ich-Erzähler der Faszination widerstehen, die von Madame La Directrice, der neuen Schuldirektorin und Französischlehrerin, ausgeht, während seine Mitabiturienten ihr längst erlegen sind und sich erotischen Fantasien hingeben. Doch dann trifft auch ihn der Ansturm der ersten großen Liebe mit voller Wucht. Er versucht, die Aufmerksamkeit der Einunddreißigjährigen auf sich zu ziehen.

Aber so leicht ist die weltgewandte Frau nicht zu beeindrucken. Zielstrebig macht er sich daran, mehr über die geheimnisvolle Schönheit herauszufinden, die eine auffallende Affinität zu Frankreich, Inbegriff des dekadenten Westens, erkennen läßt: zunächst ihre Adresse, dann ihre Vergangenheit. Er stößt auf verstörende Antworten und lernt neue Fragen zu stellen. Eine menschliche Tragödie breitet sich vor seinen Augen aus, die bis in die dreißiger Jahre zurückreicht. Durch sein Wissen kommt er der Unnahbaren näher, als sie ahnt. Stets darauf lauernd, ob die Angebetete durch eine Bemerkung oder eine Geste verrät, daß sie seine in Aufsätzen und Gesprächen eingestreuten Anspielungen aufgelöst hat, erlebt er einen ständigen Wechsel von Illusionen und Desillusionierung.

Der ehrgeizige Umgang mit dem Wort und die Erkenntnis harter Realitäten setzen ungeahnte Fähigkeiten in dem jungen Mann frei. In der intensiven Auseinandersetzung mit Literatur, Kunst und Wirklichkeit entdeckt er die Macht und Bedeutung der Imagination. Sie spielt eine wichtige Rolle in seiner Deutung der Welt. Seine Sprache formt sich und mit ihr er selbst. Zwar läßt den Ich-Erzähler die Macht der Worte, auf die er in seiner Jugend noch ganz vertraut, Konfliktsituationen mit den Handlangern des Staates gewitzt meistern, doch muß er plötzlich auch die Gefährlichkeit des Machtapparats im Polen der Gomulka-Ära erkennen, der mit Worten allein nicht zu begegnen ist.

Was als Education sentimentale beginnt, wird zu einer Initiation in mehrere Bereiche: in die Liebe, in das reale Leben und in die eigene Zukunft. Er wird zum Schriftsteller.

Antoni Liberas erster Roman löste in Polen zum Teil heftige Reaktionen aus. Gegenstand der Diskussion war nicht nur die außerordentliche literarische Qualität des Buches, sondern vor allem die Thematisierung von Widerstand und Anpassung, Kleinbürgertum und Weltoffenheit im kommunistischen Polen der Nachkriegszeit. Völlig neu war zudem die Thematisierung der Rolle der Stalinisten im Spanischen Bürgerkrieg, die jenseits des Eisernen Vorhangs jahrzehntelang verheimlicht wurde. Eingebettet hat der Autor die politischen und künstlerischen Aspekte seines fein motivierten Romans in eine zarte Liebesgeschichte, die ihren Reiz aus dem Spiel von Nähe und Ferne der Beteiligten bezieht.


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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
18 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Madames 9. Januar 2006
Von Lupa
"Bist du aber sicher, dass der, dem Deine Seele nachtrauert, Dir zu begegnen hervortritt? Dass er Deine Gefühle erwidert? Dass er auf sie wenigstens antwortet? Was, wenn es anders kommt? Wenn es sich zeigt, dass er jedoch nicht Schubert ist, der deinem jungfräulichem Gesang die Musik schreibt? Was dann? ..."
Mit Sätzen wie diesen arbeitet der polnische Verfasser Antoni Libera seine Philosophie der Liebe in seinem Roman Madame heraus. Der Protagonist, ein Ich Erzähler, der aus der Perspektive eines längst schon erwachsenen Mannes, die Geschichte seiner Jugend im Nachkriegswarschau nacherzählt. Er reflektiert das letzte Jahr seiner Gymnasialzeit und beleuchtet die Ereignisse vor, um und kurz nach dem Abitur. In den Mittelpunkt des Romans tritt eine Erfahrung des Verliebtseins, die der Erzähler als Junge bezüglich seiner selbst noch jungen gerade erst anfangs der 30er stehenden Direktorin und Französischlehrerin erlebt.
Antoni Libera schmiedet zwar eine Liebesgeschichte, gießt sie aber als inhaltlichen Umbau über eine Kritik des kommunistischen Systems. Er schreibt aus der Sicht von heute über die 60er bis 80er Jahre, die eine grauenvolle Zeit für Polen, den Handlungsort der Geschichte gewesen sind.

Es werden die Unmenschlichkeiten, Schwächen und Umstände des korrupten und alles zersetzenden kommunistischen Regimes, mit seiner Treue zur Sowjetunion, bis hin zur vollkommenen Untergebenheit, die Repression und Deportationen ins stalinistische Sibirien auszeichnen, an Hand einer Liebesgeschichte erzählt. Antwort auf die Frage wie schwer es bei all den staatlichen Verboten und Regulierungen in dieser für Polen unglücklichen Zeit war, Toleranz zu üben, mit anderen Kulturen, Gedankengängen, schon überhaupt mit politischen Einstellungen und Meinungen gibt Antoni Libera die Geschehnisse um seinen Protagonisten bauend, die typisch für die Jugend eines intelligenten Gymnasiasten gewesen sind.

Wen das moderne Polen interessiert und wer wissen möchte, wie es um den verblendenden Kommunismus stand, gleichzeitig aber ein Freund der Literatur, speziell der Liebesliteratur ist, der wird an diesem Meisterwerk von Antoni Libera, das mit dem Nike Preis der Polnischen Literatur ausgezeichnet wurde, seinen Genuss finden. Eine Leseempfehlung, die ich als polnischer Zwangsemigrant und Sohn politisch verfolgter Eltern jedem geben möchte, der die Seele seines östlichen Nachbarn an Hand seiner jüngsten Geschichte und deren Schmähungen verstehen möchte. Ein Buch für jeden, egal ob junger (werdender) Lehrer, Schüler, Student oder erfahrener und betagter Mensch.

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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Dichtung&Kritik TOP 500 REZENSENT
Von dem mir unbekannten Namen „Antoni Libera" und dem Titel „Madame" erwartete ich Unterhaltung, und nicht mehr; eigentlich kann ich Unterhaltungsliteratur nicht leiden und habe nur zu lesen begonnen, weil mir das Buch geschenkt worden war.
Diese negative Erwartung wurde aber ganz und gar nicht bestätigt und im Sturm widerlegt: Denn das hier vorliegende Buch ist eine große Hommage an das Leben und die zarte, wartende, betrachtende, hoffende, verträumte Liebe. Vordergründig geht es um die Verliebtheit eines intelligenten, belesenen polnischen Schülers in seine Französischlehrerin - jene merkwürdig geheimnisvolle westliche Schönheit, die Verschlossene, Undurchdringliche.
Der junge Mann ist zugleich der Erzähler der Geschichte - und hier beginnt bereits die Faszination, die von dem Buch ausgeht: Denn der Erzähler ist nicht nur gewitzt und belesen, er ist ungeheuer frech, geistreich - elitär, angeberisch spöttelnd - liebevoll nachdenklich, poetisch. Man kann den Blick nicht von seinen Worten wenden. Manchmal muss man sogar laut lachen, dann wieder schwer schlucken, und dann wieder die Faust ballen, aus mitfühlendem Zorn oder in Siegesfreude.
Langsam folgen wir seinen Erkundungsgängen, auf denen er „Madame", wie er seine Lehrerin nennt, verfolgt, um sie in allen Facetten ihres Lebens kennenzulernen. Und bangen mit ihm, wenn er seinen - drekt an sie gerichteten - Aufsatz einreicht, wenn er um ihr Haus streicht, sie im Theater von Ferne betrachtet: und all das doch nur, um ihn sich selbst und uns ein Bild von einer Frau zeichnen zu lassen, die sehr zart und traurig und zugleich voll Hoffnung ist - einer Existenzialistin im Polen der 70er Jahre.
Und so wird bald aus einer scheinbaren Liebesgeschichte vielmehr eine liebevolle Betrachtung: ein vorsichtiges, respektvolles und bewunderndes Vortasten in eine fremde faszinierende Denkwelt.
Jeder Satz Liberas ist geschmeidig oder stichelnd, brillierend oder leise fragend - und sowohl der Junge, als auch seine von Ferne umworbene „Madame" wachsen dem Leser aus den Worten des Textes direkt in Geist und Herz.
Ein Bild zweier Menschen und ihrer Träume, ein Bild des vergangenen Polens und eine unerhört phantasievoll leise Liebesgeschichte - ein Buch, das mich so mitgerissen hat, dass ich, was mir so noch nie passiert ist, eine ganze Nacht gelesen habe, ohne abzusetzen und ohne im geringsten zu ermüden - ein Autor, den man mit ganzem Herzen lesen darf - ein wundervolles Buch, und bestimmt keine Unterhaltungsliteratur - hier ist Herz, Sinn und Verstand gefordert - und ganz zuletzt wird man verwundert aufsehen und staunen, dass der Autor 1949 in Warschau geboren und das Buch 1998 veröffentlicht wurde - aber mehr möchte ich nicht verraten. Außerordentlich lesenswert.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Zwiespältig 2. August 2004
Von C. Holst
Eigentlich passiert sehr wenig: der siebzehnjährige Ich-Erzähler verliebt sich in seine geheimnisvolle Französischlehrerin und beginnt ihr nachzuspionieren um mehr über sie zu erfahren. Er macht dabei allerlei erstaunliche Erkenntnisse, die er mehr oder weniger dezent in sein Verhalten ihr gegenüber einfließen lässt.

Dass das Buch doch auf knapp 500 Seiten kommt, liegt vor allem daran, dass Libera es zum Vorwand nimmt, dem Leser seine Belesenheit unter die Nase zu reiben. Das gibt der Geschichte einen altklugen Beigeschmack, der mitunter die Grenzen des Erträglichen auslotet. Die Gedankengänge mögen unter einem literaturwissenschaftlichen Blickwinkel durchaus reizvoll sein, hier geht es jedoch auf Kosten erzählerischer Stringenz und Überzeugungskraft. Die beiden Hauptfiguren, der Ich-Erzähler, ein siebzehnjähriger Gymnasiast, in dessen Neunmalklugheit sich die des Autors spiegelt, und seine vergötterte Lehrerin »Madame« wirken in charakterlicher Hinsicht teilweise karikativ überspitzt und daher nicht selten unglaubwürdig. Die weitschweifigen Überlegungen, Spekulationen und Strategieentwürfe des Ich-Erzählers nehmen breiten Raum ein und strapazieren die Geduld des Lesers.

Dies ändert sich erst zum Schluss des Buches, wo sich die Vielschichtigkeit der angelegten Gedankenstränge auch in der Handlung niederschlägt und diese an Schwung und Atmosphäre gewinnt. Die Figuren werden menschlicher, ihr Verhalten und die Ereignisse glaubwürdiger und die vielen Fäden, die im Laufe der Geschichte ausgelegt wurden, werden nun in erzählerischer wie intellektueller Hinsicht kunstvoll zusammengeführt. Das macht dann wieder Spaß. Ein zwiespältiges Gefühl bleibt trotzdem.

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