Vor zwei oder drei Jahren bin ich durch Zufall auf Rainer Moritz' "Die Überlebensbibliothek" gestoßen, ein Buch mit über sechzig Lektüreempfehlungen für alle Lebenslagen. Daran wurde ich erinnert, als mich eine Freundin auf ein neues Buch dieses Autors aufmerksam machte. "Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe" ist ein Roman, der im Pariser Montmartre-Quartier spielt. Nathalie, eine Buchhändlerin, die ursprünglich aus Grenoble stammt, und Robert, ein Mann, der für eine süddeutsche Firma in Frankreich Korken vertreibt, leben Tür an Tür in einem klassischen Pariser Mietshaus. Das Geschehen des Romans entfaltet sich ganz langsam. Man lernt die beiden Hauptfiguren in ihrem Alltag kennen, und schon nach wenigen Kapiteln füllt man sich in den Wohnungen - und in der Seele! - von Madame Cottard und Monsieur Bernthaler wie zu Hause. Als ein Wasserschaden das kleine Appartement der Buchhändlerin unbewohnbar macht, bietet der deutsche Nachbar Hilfe an - was dazu führt, dass sich beide näher, ja sehr nahe kommen.
Ich habe diesen liebenswürdigen Roman voller Atmosphäre sehr gern gelesen. Es ist eines der seltenen Bücher, die einem Menschen nahe bringen, ohne kitischig oder sentimental zu werden. Der "Ahnung von Liebe", die beide verspüren, stellen sich zwar bald Hindernisse in den Weg, doch so leicht geben Nathalie und Robert ihren Traum vom Glück nicht auf. Und das Ende, das hier natürlich nicht verraten sei, finde ich besonders gelungen. Ein richtiges Wohlfühlbuch für Herbstabende!