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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Oh Madame!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Gustave Flaubert sagte von seiner Romanfigur einst: Madame Bovary, c'est moi.Ich habe ein wenig gebraucht um diesen Satz so stehen lassen zu können. Denn Madame Bovary ist eigentlich kein sympathischer Charakter. Sie heiratet aus einer romantischen Vorstellung heraus einen Mann, Charles Bovary, der, wie sie bald bemerken muss, geistig flach ist , genügsam mit den einfachen Dingen des Lebens und mit dem auch sie zu einem einfachen Leben an der Seite eines Landarztes verdammt ist. Der sie aber so sehr liebt, dass er sie auf Händen trägt, ihr jeden Wunsch erfüllt und dessen ganzes Glück es ist, Emma zu besitzen. Aber Emma Bovary geht nicht milde mit diesen Dingen, nicht nachsichtig um, sieht nicht, dass ihr Ehemann ihr die Welt zu Füßen legen will und flüchtet sich alsbald in Verachtung und Resignation. Als sie und Charles aber eines Tages auf einen Ball zu einem Marquis eingeladen werden, eröffnet sich für Emma auf einmal eine Welt der Möglichkeiten, utopisch und unerreichbar zwar, aber sie wird davon infiziert und erschafft sich eine Traumwelt. Sie wird zusehends unruhiger, entwickelt ein nervöses Nervenleiden, für sie rückt die Möglichkeit ihres persönlichen Glückes in immer weitere Ferne, je länger der Abend des Balles zeitlich in die Vergangenheit rückt. Als ihr Mann schließlich mit Emma in eine andere Stadt zieht, um ihr eine Luftveränderung zu beschaffen, lernt sie den jungen Kanzlisten Leon kennen, der in Emma Gefühle und Sehnsüchte weckt, die sie nicht mehr unterdrücken kann und vor allem auch nicht will. Warum hat Flaubert nun gesagt, er selbst sei Emma Bovary? Was lehrt uns eine so selbstsüchtige, triebgesteuerte und morallose Person wie sie? Sie ist der Prototyp der menschlichen Verblendung. Emma ist so fixiert, so mit aller Macht an ihre falschen Vorstellungen von der Welt, den Menschen und der Liebe gebunden, dass sie an ihr zugrunde geht, ja eigentlich von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Denn außerhalb der Perfektion findet Emma keine Zufriedenheit. Sie will mehr und mehr und nichts, nichts ist ihr je genug. Emma ist klug, das steht außer Frage, aber weise wird sie dadurch nicht, denn sie weiß ihren Intellekt nicht zur Reflektion zu gebrauchen. Sie legt all ihre Kraft allein in das Umsichschlagen, in den Kampf gegen alles, was ihr trivial und einengend erscheint. Und hier kann man sie auch wieder verstehen. Denn wir sind von Zwängen und Leiden beherrscht, müssen uns tagtäglich mit Dingen arrangieren, die uns nicht nur Genuss und Freude bringen. Ist das nicht eigentlich schrecklich? Willkommen in Emmas Welt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Einblicke in die Seele einer Frau,
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
In ,,Madame Bovary'' erfährt der Leser vom tragischen Schicksal der jungen, schönen Emma, die den Landarzt Charles Bovary heiratet; aus Liebe wie sie glaubt. Doch dann stellt sie fest, dass es sich doch nicht so verhält und ist plötzlich hin und her gerissen zwischen Mitleid, Sympathie und Abscheu für ihren gutmütigen, schlichtgesinnten Gatten. Bald schon langweilt Emma sich auf dem Land und auch die gemeinsame Tochter Berthe kann daran nichts ändern. Immer öfter flieht die junge Frau in romantische Tagträume von heldenhaften Männern, dann in Affären und merkt zu spät, dass sie nicht nur sich, sondern auch ihre Familie ins Unglück gestürzt hat. Verzweifelt und enttäuscht vom Leben wählt sie einen tragischen Ausweg.,,Madame Bovary'' ist einer der bekanntesten französischen Romane und teilt sich den ersten Rang mit anderen großen Frauenromanen dieser Zeit, wie beispielsweise ,,Effi Briest'' und ,,Anna Karenina''. Gustav Flaubert gelingt es, dem Leser einen ungewöhnlich tiefen Einblick in das Seelenleben der Madame Bovary zu geben, das so unglaublich zerrissen und eigenartig ist. Auch sprachlich überzeugt der Roman auf ganzer Strecke, da er ,meiner Meinung nach, stilistisch wesentlich leichter und eleganter ist, als andere Romane dieser Zeit. Die Figurenpalette bleibt überschaubar und jeder einzelne der Charaktere ist gut ausgearbeitet. Letztendlich sollte der Leser selbst entscheiden, ob er sich mit der Protagonistin identifizieren kann oder ob ihm ein anderer Charakter nicht sympathischer ist. Vielleicht lag es daran, dass ich ein Mann bin, aber mir war die Figur des Charles Bovary wesentlich verständlicher. Wie gesagt: Das soll jeder für sich selbst entscheiden. Auf jeden Fall sollte jeder diesen Roman gelesen haben, sei es um die Frauen besser zu verstehen oder um sich über die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert zu informieren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Der Zerfall einer anmutigen Göttin im hintersten Eck der Provinz,
Von
Rezension bezieht sich auf: Madame Bovary: Sitten der Provinz (Taschenbuch)
Madame Bovary - verheiratet mit dem Arzt Charles Bovary, bewohnt sie bis an ihr Lebensende die Einöde in Frankreichs Provinz. Sie träumt von dem magischen Ort Paris, ihren ritterlichen Romanhelden und sucht Befriedigung in der Liebe, die ihr ihr Mann nicht geben kann. Sie wird von den Männern viel umworben, sie ist ein Anziehungspunkt und eine Augenweide. Bald beginnt sie Affären mit Léon und Rodolphe. Dabei fühlt sie sich wie beflügelt, frei und dennoch trägt sie Verantwortung für ihren Ruf, ihren Mann und ihr gemeinsames Kind. Letztendlich wird sie von Unmengen an Schulden heimgesucht und gibt sich dem Gift hin, um ihrem Leben ein Ende zu setzen...Flauberts Roman erregte viel Aufsehen, da er - so der Untertitel des Buchs - "ein Sittenbild der Provinz" aufweist, einen Maßstab an Moral und Werten, der für die damalige Gesellschaft maßgebend war und eingehalten werden musste, wenn man nicht verstoßen werden wollte. Doch Emma Bovary durchbricht diese Regeln, sie schafft ihr eigenes Leben, um vollauf befriedigt zu werden, um der Gesellschaft zu trotzen, um sich den eigenen Freuden hinzugeben. "Madame Bovary" ist eine Revolution, ein klassisches Werk, das dennoch in der heutigen Zeit stets aktuell ist und die unermüdlichen Bedürfnisse der Menschheit wiederspiegelt, die, unter gegebenen Umständen zu Problemen führen und letztendlich ins Verderben. Empfehlenswertes, epochales Meisterwerk, vier Sterne für die Einzigartigkeit, die Niederschrift des Unsagbaren, selbst wenn es etwas langatmig geschrieben ist auf 400 Seiten. Dieser Text wurde von einer 18-jährigen verfasst. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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