Zu Beginn von Staffel 4 mit 13 Folgen je 45 Minuten ist die neue Company StirlingCooperDraperPryce gegründet, noch kleiner als die alte SterlingCooper, aber sie entwickelt sich langsam. Don hingegen ist geschieden, Betty wieder verheiratet. Er wohnt alleine in einem Apartment und zeigt Verwahrlungstendenzen, die ihn z.B. gegenüber Klienten gelegentlich unbeherrscht werden lassen. Diese beiden Erzähllinien bilden den Kern der Staffel: Die Company entwickelt sich langsam und in kleinen Geschichten (wie dem ersten Kontakt mit einer japanischen Firma) werden Themen der Zeit eingebaut. In den letzten Folgen gibt es allerdings einen dramatischen Rückschlag. Bei Don hingegen geht es zunächst bergab; am Ende aber gibt es eine Überraschung. Daneben gibt es wieder eine Reihe von Nebengeschichten. Die wichtigsten sind die Fortführung der komlizierten Geschichte zwischen Don und Peggy und das Verhältnis von Roger und Joan; kleinere sind z.B. Eheschwierigkeiten von Lane Pryce und Konlflikte zwischen Betty und Tochter Sally (Betty spielt in dieser Staffel eine echte Nebenrolle).
Im ganzen ist die Staffel bisher die eindeutig schwächste von allen und sie hat Phasen, die einen fast an vier Sterne in der Gesamtbewertung denken lassen. Was sind die Schwachpunkte:
- Die Stories sind zu ganzen zu Don-lastig und bieten dabei (abgesehen von den ersten 30 Minuten) zu wenig neues, bzw. das Neue, das sie bieten (z.B. einen unsicheren, verängstigen Don), wird nicht überzeugend dargestellt. Vor allem spielt Jon Hamm das nicht so überzeugend wie den coolen, überlegenen Don. Die Geschichten um einzelne Werbekampagnen sind zu wenig und nicht packend genug. Damit verliert die Serie zuweilen ihren eigentlichen Kern.
- Der Einbau der Zeitgeschichte ist zuweilen wenig gelungen und wirkt gewollt oder gezwungen (ein im Hintergrund lauender Fernsehen über Vietnam oder eine in der Luft hängende 10-Minuten-Episode über eine Heroinabhängige).
- Die Degradierung von Betty zur Nebenrolle schadet der Serie, da sie - bei aller Unsympathie, die man für sie empfinden kann - eine starke Figur war. Ihre neue Ehe mit dem viel ältern Mann ist keine überzeugende Geschichte.
- Viele kleine Mini-Geschichten oder Szenen wirken absurd oder überzogen (z.B. ein Versuch von dem kurz auftauchenden Duck, sich an Don zu rächen; die vermeintlichen Verhaltensauffälligkeiten von Sally oder die Art und Weise wie Lanes aus England angereister Vater dessen Eheprobleme 'löst').
- Man treibt es mit der Dekonstruktion wieder etwas weit. Erzählstränge werden angefangen und einfach aufgehört oder fünf Folgen später wieder aufgenommen, ohne dass es harmonisch wirkt.
- Fast am schlimmsten sind z.T. echte Schwächen in den Dialogen, die simpler, gängiger, 'soapig' wirken. Überhaupt ergibt sich durch das absurdere, simplere Verhalten der Figuren mehr der Charakter einer Soap als der von filmischer Literatur, der die Serie sonst auszeichnete.
Trotz dieser langen Liste gibt es aber auch die gewohnten Qualitäten und echte Highlights:
- Handwerklich bleibt das hohe Niveau in Ausstattung, Kostümen, Bildern, Licht.
- Auch wenn ich den literarischen Charakter dem soapigen vorziehe, muss man sagen, dass die Soap gut gemacht ist. Sie ist hochwertig und vor allem..... - spannend. Man fragt sich nach jeder Folge richtig, wie es weiter geht.
- Innerhalb der Geschichten ist die um Don und Peggy grandios erzählt. Sie ist verwickelt, intelligent, tiefsinnig, zurückhaltend, aber doch packend. Sie kulminiert in einer Folge, die sich fast durchgehend auf einen gemeinsamen Abend der beiden in der Werbeagentur konzentriert (und eine der besten der Staffel ist).
- Es gibt immer wieder absolute grandiose Einzelbilder oder Details, etwas wenn ein dezenter Griff zum Mantelknopf andeutet, was gleich passiert; wenn Peggys Gesicht im Oberlicht zu nächsten Büro ganz klein auftaucht wie auf einem mittelalterlichen Gemälde; wenn Don eine Familie sieht, die so akkurat gestaltet ist wie sein Erinnerungsbild an seine glücklichere Zeit mit Betty; Joan und Roger, die sich wie zwei griechische Götter gegenüberstehen - das sind die geliebten, grandiosen Mad-Men-Momente.
- In Teilen erreicht die Staffel das frühere Niveau: v.a. den ersten 30 Minuten der ersten Folge. Die sind atemberaubend gut und gehören zum besten, was im Fernsehen je gezeigt wurde, v.a. in der Art der Darstellung von Dons beginnenden Verfall. Das ist noch besser als die herausragende Staffel 2. Die letzen drei Folgen schließlich erreichen zumindest das Niveau der nicht herausragende, aber sehr guten Staffel 3.
Fazit: Wäre 'Mad Men' ein Fußballspieler und jede Staffel ein Spiel würde man kommentieren: "Superstar Mad Men hat heute über weite Strecken unglücklich agiert, dem Spiel aber mit einigen Geniestreichen seinen Stempel aufgedrückt und zum Schluß noch mal die zweite Luft bekommen."
Sprache: Englisch mit englichen UT. UT braucht man auch, weil wieder schnell und z.T. nuschelig gesprochen wird und manchmal viel Slang und hier unbekannte Markennamen die Dialoge schwierig machen.
Die Schachtel ist eine simple Plastikschachtel mit drei CDs, zwei davon in so einem 'Klappding'.