Pressestimmen
Es liegt an uns selbst. Zu Beginn unserer Lebensreise sind wir voller Wagemut, in der Mitte leicht desillusioniert und am Ende satt und zynisch. Eben der allseits bekannte, lineare Pfad biografischer Selbstverstümmelung. Ervin Laszlo kennt das Spiel. Seit Jahren beobachtet der Gründer des Club of Budapest die Metamorphose vom energiegeladenen Anfänger über den desillusionierten Abteilungsleiter zum saturierten Spitzenmann. Trotzdem hat er seinen Glauben nicht verloren. Es gibt sie, die kritischen Denker, die sich treu geblieben sind und nicht aufgehört haben, Gegebenheiten zu hinterfragen. Die nicht nur überleben wollen - ohne Rücksicht auf Verluste. Warum sie für Laszlo so wichtig sind? Weil die "Epoche der Entscheidung" begonnen hat.
"Das soziale und wirtschaftliche System, das wir den unsichtbaren, aber unserer Meinung nach unparteiischen Kräften des Marktes anvertraut haben, gerät außer Kontrolle. Bietet es Hunderten von Millionen einen höheren materiellen Lebensstandard, so drückt es Milliarden, die in Wellblechsiedlungen und urbanen Ghettos im Schatten sichtbaren Wohlstands dahinvegetieren müssen, in bittere Armut. (...) Deswegen können wir nicht mehr nur unseren Nationalstaat als Fixpunkt unserer Zugehörigkeit ansehen, und wir müssen uns von der technologischen Maxime verabschieden, dass alles, was getan werden kann, auch getan werden sollte."
Sonst droht das Chaos, der komplette Zusammenbruch unseres Systems. Konkret bedeutet das: Heraus aus der Wagenburg und Verantwortung übernehmen. Für sich selbst, sein Unternehmen und seine Mitwelt. Corporate Citizenship, nachhaltiges Wirtschaften, bürgerschaftliches Engagement und soziale Kooperation. Nicht, weil kritische Bürgerrechtler oder alternative Umweltaktivisten auf die Straße ziehen und mahnende Plakate in die Höhe halten. In einer vernetzten Gesellschaft sind die Grenzen zwischen innen und außen porös. Und die Löcher können - auch mit noch so viel Aufwand - nicht mehr gestopft werden.
Der Macroshift", so der Professor für Philosophie, Systemwissenschaften und Zukunftsforschung, "läuft nur dann auf einen erfolgreichen Abschluss hin, wenn, ja wenn eine kritische Masse an Menschen in der Gesellschaft ihre Geistesverfassung erweitert; wenn sie Werte, Weltanschauungen und Moralvorstellungen erzeugt und verficht, welche die Bedingungen mit einbeziehen, die unabsichtlich durch die technologischen Neuerungen ihrer Vorläufer in die Welt gesetzt wurden." Noch ist diese kritische Masse nicht erreicht.
Geht es nach Laszlo, wird sich der Mensch aber besinnen. Denn im Gegensatz zu Ralf Dahrendorf ist er nicht nur Optimist, er ist auch Menschenfreund. Er sieht in seinem Gegenüber keinen Ichling und Egoisten, sondern einen Freidenker, der bereit ist, sein Leben neu zu strukturieren, Privilegien abzugeben und die Maxime "Leben und leben lassen" durch "Lebe in einer Weise, die es allen anderen ermöglicht, ebenfalls zu leben" zu ersetzen. Vorausgesetzt, er wird ernst genommen und nicht für dumm verkauft. Doch leider ist es genau das, was im Moment passiert.
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Über den Autor
Ervin Laszlo, 1932 in Budapest geboren, gilt als einer der führenden Vertreter der Systemtheorie und allgemeinen Evolutionstheorie. Er ist Autor von zahlreichen Büchern und über 300 weltweit publizierten Zeitschriftenbeiträgen. Laszlo gründete die General Evolution Research Group, die er bis heute leitet, ist Herausgeber der Vierteljahreszeitschrift World Futures - The Journal of General Evolution und der Buchreihe World Futures General Evolution Studies, Mitherausgeber von Behavioral Science, sowie Hauptherausgeber einer vierbändigen Friedensenzyklopädie. Zu den ihm zuteil gewordenen Würdigungen und Ehrungen gehört das Doctorat des Lettres et Sciences Humaines der Pariser Universität Sorbonne, die Ehrenmedaille der Universität Kyung Hee in Seoul, die Ehrendoktorwürde der Wirtschaftsfakultät der Turko School of Economics and Business Management in Finnland und die Ehrendoktorwürde der Fakultät für Geisteswissenschaften des Saybrook Instituts in San Francisco. Er lehrte Philosophie, Futurologie, Ästhetik und Systemwissenschaften an den Universitäten von Yale, Princeton, Northwestern, Houston, Portland State, Indiana und New York und hat darüber hinaus Vorlesungen in verschiedenen Universitäten und Akademien Europas und des fernen Ostens gehalten. Den Vereinten Nationen diente er als Direktor des Institute for Training and Research (UNITAR) und war Rektor der Wiener Akademie.
1994 gründete Laszlo den Club of Budapest, der Antworten auf globale Herausforderungen sucht und dem mittlerweile Persönlichkeiten wie Sir Peter Ustinov, Richard von Weizsäcker und der Dalai Lama beigetreten sind. Er ist Mitglied des Club of Rome, der International Academy of Science und der World Academy of Arts and Science sowie des Vorstands der Université Européenne de Paris. Er ist Geschäftsführer von Environnement Sans Frontières, Generalsekretär des European Culture Impact Research Consortium (EUROCIRCON) und wissenschaftlicher Berater des Generaldirektors der UNESCO.